Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst am 15. Sonntag nach Trinitatis – 20. September 2020

A XV-a Duminică după Sfânta Treime, 20 septembrie 2020 serviciu divin

2020. szeptember 20-an, Szentháromság utáni 15. vasárnap, Istentisztelet


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Wochenspruch – 1. Petrus 5,7:
Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

Psalm 127 und 128 i. A.
Wenn der HERR nicht das Haus baut, / so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, / so wacht der Wächter umsonst.
Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht / und hernach lange sitzet 
und esset euer Brot mit Sorgen; / denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. 
Wohl dem, der den HERRN fürchtet / und auf seinen Wegen geht!
Du wirst dich nähren von deiner Hände Arbeit; / wohl dir, du hast’s gut.
	Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

1. Mose 2,4b – 7
4b. Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. 5. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6. aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. 7. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.	 
Der Herr segne sein Wort an unsern Herzen!

Liebe Brüder und Schwestern!
Seit Menschengedenken faszinieren Geschichten über die Entstehung der Welt (im wissenschaftlichen Sprachgebrauch Kosmogenese genannt), und vor allem Geschichten über die Entstehung des Menschen (die so genannte Anthropogenese). Jede Kultur und jede Religion kennt sie. Auch in der Bibel finden wir diese Geschichten.
Einer der größten Denkfehler seit der beginnenden Neuzeit ist aber, dass Menschen immer wieder diese Erzählungen über den Ursprung allen Seins in Konkurrenz zu naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen gesehen und gestellt haben. Wenn man sich diese Texte aber genau ansieht, dann merkt man: nicht die Frage nach der Entstehung des Universums und der Entwicklung der Arten steht im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Frage nach dem, was das Wesen des Menschen ausmacht und was für einen Sinn das Leben in dieser Welt hat. Und wenn man noch genauer hinsieht, dann fällt auf: die Bibel setzt gleich am Anfang in den ersten beiden Kapiteln der Genesis mit zwei Schöpfungsberichten ein, Berichte, die unterschiedliche Akzente setzen. Das ist als Verstehenshilfe an zu sehen und ein Beweis dafür, dass solche Bilder (auch wie wir sie im vorhin verlesenen Bibelwort aus dem 2. Schöpfungsbericht gehört haben) NICHT beanspruchen Theorie der Weltentstehung zu sein, sondern uns den SINN des Daseins erschließen wollen. 
Selbst wenn sämtliche wissenschaftlichen Fragen beantwortet wären (was sie aber NICHT sind), wären unsere Lebensfragen es längst NICHT. Vor allem die eine Frage, worauf wissenschaftlich NICHT geantwortet werden kann (und diese Frage gewinnt im Zeitalter der künstlichen Intelligenz zunehmend an Brisanz), ist und bleibt diese: Woraus erschließt sich uns der Lebenssinn? Die Bibel sagt: der Lebenssinn erschließt sich uns nur dann, wenn wir wissen, wem sich das Leben verdankt. Die Erde – obwohl schon geschaffen – ist leer, solange 1) Gott nicht gestaltend eingreift und 2) der Mensch noch nicht da ist. Kommen und Wachsen hängen ab von Gott und vom Menschen. 
Die Bilder des Schöpfungsberichtes müssen also symbolisch und typologisch gedeutet werden. Im Namen Gottes, der im Althebräischen, das nur Konsonanten kennt, mit JHWH wiedergegeben ist, ist der Wortstamm bzw. das Verb HJH enthalten. „Hajjah“ bedeutet im Hebräischen SEIN! Das unpersönliche Sein bekommt einen persönlichen Namen: „GOTT“ oder „HERR“. Und Gott tritt in Beziehung zum Menschen, noch bevor dieser geschaffen ist. Es wird berichtet, dass zuerst nur Erde da ist, aus welcher dann ein Wasserschwall hervorbricht; dieser feuchtet den trockenen Staub vom Acker und macht ihn formbar  und der Mensch wird durch Gott geformt. „Adam“ ist Eigenname und Gattungsname zugleich und wird gebildet von dem Begriff „adamah“, was auf Hebräisch «Ackererde» bedeutet. 
Wissen Evolutionstheorie und moderne Kosmologie mehr, wenn sie das Leben aus dem Wasser sich entwickeln sehen und den Menschen als aus Staub gebildet annehmen? Dies Paradoxon definiert uns: der Mensch ist ein Erdklumpen. Das Wunder daran ist, dass er atmen kann. 
Das was im Deutschen als «Lebendiges Wesen» wiedergegeben ist, kann als Spiegelübersetzung des Hebräischen als „Atmendes Sein“ oder „Atmende Seele“ übersetzt werden. Im Sinne dieses biblischen Begriffes HAT der Mensch KEINE „Seele“, sondern der Mensch IST „Seele“, wie er auch Leib IST! 
Ein jüdischer Gelehrter (Rabbi Bunam) hat einmal gesagt: „Ein Mensch muss über seinen Schultern zwei Taschen tragen, um, je nach Bedarf, entweder in die eine oder in die andere greifen zu können. In der rechten Tasche liegt das Wort »Um meinetwillen ist die Welt erschaffen worden«. In der linken Tasche aber, befindet sich das Wort »Ich bin Erde und Asche. «“
Das ist das Spannungsfeld, in dem sich unser Leben bewegt. Unsere Leben hat einen Anfang und ein Ende, die bei oder in Gott liegen. Darum gilt, was der Wochenspruch (aus dem 1. Petrusbrief 5,7) uns sagt: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Amen.

Lasst uns beten:
Allmächtiger, barmherziger Gott! Deine Güte ist jeden Morgen über uns neu und Deine Treue ist groß. Erleuchte unsere Augen und lass uns erkennen, dass Du für uns sorgst und in aller Versuchung und Anfechtung bei uns bist.
Wir bitten Dich für Deine Kirche hier vor Ort und weltweit. Gib ihren Mitarbeitenden Kraft, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden können. Wir bitten Dich für unser Land und für diese ganze Welt. Gib den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ein weises Herz und einen gerechten Sinn.
Wir bitten Dich für das tägliche Brot. Gib gute Witterung für die Ernte und lass uns dankbar die Früchte des Feldes und den Ertrag unserer Arbeit aus Deinen Händen annehmen.
Wir danken Dir, dass Du uns geschaffen hast, und unsere Gebete so erhörst, wie es zu unserem Heil nötig ist. 
Vater unser im Himmel …

Segen: 
Es segne und behüte uns der allmächtige und gnädige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.





Es gilt das von der Kanzel gesprochen Wort!
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