Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst am 17. Sonntag nach Trinitatis – 4. Oktober 2020

A XVII-a Duminică după Sfânta Treime, 4 octombrie 2020 serviciu divin

2020. oktober 4-en, Szentháromság utáni 17. vasárnap, Istentisztelet


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Wochenspruch – 1. Johannes 5,4c:
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Psalm 25,8 - 15
8. Der HERR ist gut und gerecht; / darum weist er Sündern den Weg. 9. Er leitet die Elenden recht / und lehrt die Elenden seinen Weg. 10. Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue / für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten. 11. Um deines Namens willen, HERR, / vergib mir meine Schuld, die da groß ist! 12. Wer ist es, der den HERRN fürchtet? / Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll. 13. Der wird im Guten wohnen, / und seine Kinder werden das Land besitzen. 14. Am Rat des HERRN haben teil, die ihn fürchten; / und seinen Bund lässt er sie wissen.
15. Meine Augen sehen stets auf den HERRN; / denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.
	Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Matthäus 15,21 - 28
22. Eine kanaanäische Frau kam zu Jesus und schrie: „Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.“ 23. Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: „Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.“ 24. Er antwortete aber und sprach: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ 25. Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: „Herr, hilf mir!“ 26. Aber er antwortete und sprach: „Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“ 27. Sie sprach: „Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ 28. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: „Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“
Der Herr segne sein Wort an unsern Herzen!


Liebe Brüder und Schwestern!
Die Handlung dieser neutestamentlichen Geschichte ist befremdlich, beeindruckend und erstaunlich. Erstens fällt auf, dass Jesus nicht, wie man es sonst von ihm gewohnt ist, sofort und voller Erbarmen auf den Hilferuf der Frau reagiert, sondern diese gleich dreimal schroff zurück weist. Es begegnet uns hier nicht der „liebevoll zugewandte Jesus“, im Gegenteil: seine Unwilligkeit ist befremdlich. Zweitens ist das Verhalten der Frau auffällig: sie lässt sich durch Jesu ablehnende Art keineswegs von ihrem Vorhaben abbringen. Mit Mut und Zähigkeit versucht sie ihn von der Wichtigkeit ihres Vorhabens zu überzeugen. Sie kann sogar den harten und xenophoben Vergleich vom Brot der Kinder, das man nicht den Hunden gibt – ein Vergleich der sie entwürdigt und erniedrigt – schlagfertig umkehren; das ist beeindruckend. Und drittens gibt diese Geschichte, wie kaum eine andere im Neuen Testament, Zeugnis davon, dass Jesus selbst lernfähig ist. Die Art dieser Frau beeindruckt ihn und im Laufe des Gespräches ändert er seine Haltung ihr gegenüber. Jesus wird uns hier nicht als der Gottessohn vor Augen geführt, der alles schon im Voraus weiß, sondern als einer, der sich korrigieren lässt. Das ist erstaunlich. 
Der Spannungsbogen des Erzählers ist bemerkenswert. Was uns – am Anfang der Geschichte – irritiert, ist Jesu Verhalten, welches dem Bild, das wir von ihm haben, widerspricht. Es ist schlicht und ergreifend unverständlich, wie er Menschen ausgrenzt und erniedrigt, wie er hart und lieblos reagiert. Der Grund, warum der Evangelist Matthäus diese Begebenheit erzählt, ist wahrscheinlich ein pädagogischer. Die ersten Christen (so auch jene, für die Matthäus sein Evangelium niederschreibt) waren Juden. Sie waren in dem Glauben erzogen worden, dass das Heil der Welt ALLEIN dem Hause Israel, dem, aus ihrer Sicht auserwählten Volk Gottes, vorbehalten wäre. Die Jünger sagen denn auch nicht „Hilf der Frau!“, sondern „Lass sie gehen!“ Auch wenn Israel und Kaanan geografisch nahe beieinander sind, so lagen damals schon Welten kultureller, religiöser und sozialer Natur dazwischen. Die Kaananäer waren in jüdischer Sicht einfach nur Menschen einer unteren Klasse. Die eine Erkenntnis dieser Geschichte ist also jene, dass Jesus die Tragweite seiner Sendung (eben nicht nur zu den Juden, sondern auch zu anderen Völkern) in der Begegnung mit dieser Frau neu erkennt und definiert. Die Dramatik der Szene erfährt im letzten Satz ihre Auflösung: ein starker Glaube hat erfolgversprechende Aussichten. Das Wunder ist nicht die Heilung der Tochter dieser Frau, sondern ihr Glaube. Dieser Glaube ist nicht eine Folge des Wunders, sondern seine Voraussetzung; das ist die zweite Erkenntnis. 
Die kanaanäische Frau – die durch die Krankheit ihrer Tochter sicherlich selbst an den Rand ihrer Kräfte gekommen war – darf uns als Beispiel dienen. Auch wenn das Leben uns erniedrigende und anstrengende Situationen beschert, so ist das kein Grund, klein beizugeben. Sicherlich wünschen wir uns die angenehmen und frohen Momente. Aber dieses Leben ist kein Wunschkonzert. Gerade an der Stelle, wo nichts mehr läuft – wenn schwere Krankheit ans Bett bindet, wenn Kummer erdrückt, wenn kein Ausweg in Sicht ist – gerade dann gilt es, Gott im Gebet anzurufen. „Du musst Gott im Gebet die Ohren reiben, bis sie heiß werden.“ – hat es Martin Luther in seiner unverkennbaren Art formuliert. Wenn wir uns diese Geschichte als Beispiel nehmen, dann ist es wohl erlaubt Gott im Gebet auch richtiggehend zu bedrängen. Glaubend dürfen wir also auf Gott vertrauen, denn: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ Amen.

Lasst uns beten:
Ewiger Gott, gütiger Vater! Du hast Dich uns in Christus offenbart, als Helfer und Erretter. Du hast uns verheißen, dass wir im Leben wie im Tod mit Dir verbunden bleiben. Wir danken Dir dafür.
Wir bitten Dich, stärke unseren Glauben, dass wir den Versuchungen dieser Welt recht begegnen können und uns jederzeit (vor allem aber in Not und Schwachheit) auf Dich und Dein Heil besinnen. Begleite uns mit Deiner Gnade auch weiterhin, und lass uns nicht über unsere Kräfte versucht werden. 
Wir bitten Dich für jene Menschen, die in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Verantwortung tragen. Schenke Ihnen ein hörendes Herz und einen gerechten Sinn.
Wir bitten Dich für die Notleidenden und Kranken, die Obdachlosen und Verzweifelten. Sei Du mit jedem Einzelnen in seiner besonderen Situation. 
Wir bitten Dich für eine gute Witterung jetzt in der Erntezeit, und danken Dir, dass Du auch in diesem Jahr uns reichlich segnest.
Vater unser im Himmel …

Segen: 
Es segne und behüte uns der allmächtige und gnädige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.





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