Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst am 5. Sonntag nach Trinitatis – 12. Juli 2020

A V-a Duminică după Sfânta Treime, 12 iulie 2020 serviciu divin

2020. július 12-en, Szentháromság utáni 5. vasárnap, Istentisztelet


5. Sonntag nach Trinitatis – 12. Juli 2020

Wochenspruch:
„Aus Gnaden seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2,8)

Psalm 73
1. Gott ist dennoch Israels Trost / für alle, die reinen Herzens sind.
2. Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; / mein Tritt wäre beinahe geglitten.
3. Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, / da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.
23. Dennoch bleibe ich stets an dir; / denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
24. du leitest mich nach deinem Rat / und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
25. Wenn ich nur dich habe, / so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
26. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, / so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
28. Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, / dass ich verkündige all dein Tun.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem Lukasevangelium 14,25 - 30:
25. Es ging eine große Menge mit Jesus; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: 26. Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. 27. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 28. Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen, - 29. damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, 30. und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann's nicht ausführen?		Der Herr segne sein Wort an unsern Herzen!

Liebe Brüder und Schwestern!
Wenn über radikale Religiosität gesprochen wird, dann sind wir aufgeklärte Europäer geneigt, zuerst an den Islamismus zu denken (der vom gemäßigten Islam zu unterscheiden ist); an vielen Orten auf dieser Welt sind die Folgen radikaler Religiosität zu spüren und es sterben Menschen dafür. Dass es auch unter Christen Radikalismus gibt, wird dabei gerne übersehen. Ich selber bin der festen Überzeugung, dass radikalisierte Menschen, die Religion instrumentalisieren und missbrauchen. Wenn einzelne Sätze aus ihrem Kontext herausgerissen werden und als Basis von absoluten und unbedingt durchzuführenden Regeln festgesetzt werden, dann kann es schnell zu Radikalisierung führen. Das gilt für alle Religionen. 
„Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein!“ Das sagt Jesus! Aber kann es wirklich sein, dass Jesus von uns verlangt, dass wir hassen? Hat er denn nicht immer wieder die Menschen aufgefordert, dass sie sich lieben sollen? In der Bergpredigt finden wir die Radikalität unter umgekehrtem Vorzeichen. Dort wird Jesus so zitiert: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ Wollten wir also dieses eine Zitat Jesu („Wenn jemand zu mir kommt und nicht hasst“) aus dem Kontext herausreißen und den Rest seiner Lehre vergessen, dann kann sehr schnell christliche Gesinnung und christliche Ethik in ihr genaues Gegenteil umschlagen.

Was bezweckt Jesus mit einer solch radikalen Aussage? Das Bildwort, welches Jesus im Anschluss an die radikale Aufforderung sagt, hilft uns weiter. Er vergleicht das Leben im Glauben mit einem Hausbau. Ich habe zwar selber nie ein Haus gebaut, wohl aber eine ganze Reihe von Renovierungen (hauptsächlich von Kirchen, aber auch von anderen Gebäuden) verantwortet und mitbegleitet. Wer sich dazu anschickt zu bauen oder zu renovieren, dessen Leben wird für die Zeit der Planung und Ausführung der Arbeiten in entscheidendem Maße geprägt: die Gedanken und Gespräche, die Handlungen und Maßnahmen. Ja, manchmal verfolgen einen die mit einem Bau zusammenhängenden Probleme bis in seine Träume hinein. Das erleben wir hier in Schäßburg gerade ganz konkret im Zusammenhang mit der Renovierung der Klosterkirche. Eine solche Arbeit kann nicht unter „ferner liefen“ durchgeführt werden. Und selbst wenn das Projekt genehmigt und die Finanzierung gesichert ist, kann immer etwas Unvorhergesehenes eintreten (so wie die epidemiologische Krise der letzten 3 Monate, die keiner auf dem Radar hatte) und dann ändert sich alles von jetzt auf gleich. Wenn man dann nicht radikal hartnäckig ist und bleibt, dann wird nichts aus der geplanten Arbeit. 
Vor diesem Hintergrund kann die Aufforderung Jesu verstanden werden. Es geht um den Ernst der Nachfolge. Möge Gott uns dazu befähigen, ihm mit allem Ernst nachzufolgen. Amen.

Lasst uns beten:
Allmächtiger Gott, Du hast uns in Deinen Dienst gerufen, und erwartest, dass wir Dir ungeteilten Herzens folgen. Gib uns Kraft und Ausdauer, dass wir den an uns gestellten Anforderungen gerecht werden können.
Wir bitten Dich heute in besonderer Weise dafür, dass die Renovierungsarbeiten an unserer Klosterkirche vorankommen und einen guten Abschluss finden. 
Sei Du mit uns, in guten, wie in schweren Zeiten.
Vater unser im Himmel / Geheiligt werde Dein Name / Dein Reich komme / Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute / Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigeren. / und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Segen: 
Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen. 



Es gilt das von der Kanzel gesprochen Wort!
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