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„Glaube kann nur dann wahrhaftig sein, wenn er auch tolerant ist.”

Rede an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl
15.5.2016
 

 
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Brüder und Schwestern!
I. An diesem Heimattag wurde es bereits mehrfach angesprochen, dass vor etwa drei Monaten innerhalb einer Woche zwei Türme namhafter Kirchenburgen eingestürzt sind: u. zw. jener aus Rothbach im Burzenland und jener aus Radeln im Repser Land. Es sind nicht die ersten Baudenkmäler mit Symbolwert, denen dieses Schicksal widerfährt und es werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht die letzten gewesen sein. Zum Schäßburger Kirchenbezirk – dem ich als Dechant vorstehe – gehört seit 1978, als der Bistritzer Bezirk aufgelöst wurde, auch Nordsiebenbürgen dazu. Allein in meiner Amtszeit (2002 – 2010 und ab 2014 beginnend) stürzten die Kirche aus Groß-Eidau und jene aus Jakobsdorf bei Bistritz ein. Das Medieninteresse war damals viel geringer; möglicherweise war man bei Nordsiebenbürgen auch eher darauf gefasst oder eingestellt. Einer meiner Lehrer an der Theologischen Fakultät in Hermannstadt – der vorher Pfarrer in Bistritz und im Nösner Land gewesen war – sagte uns Anfang der neunziger Jahre: „Ich komme aus der Zukunft.“ Damit meinte er, dass das Schicksal Nordsiebenbürgens auch Südsiebenbürgen bevorstünde. Und so ist es gekommen: was bereits in den 1970er und 80er Jahren im Nösner Land zu beobachten war, wurde nun auch im Repser und im Burzenland Realität.
Es ist eine nüchterne Feststellung, welche wir uns zu Eigen machen müssen, auch wenn es schwer fällt: Unsere klein gewordene Kirche wird nicht ihr gesamtes immobiles Kulturgut halten können. Gemeint sind damit nicht nur Kirchen und Kirchenburgen, sondern auch Pfarrhäuser, Schulen, Gemeindesäle, Friedhöfe usw. Für uns als Siebenbürger Sachsen und für mich als evangelischen Pfarrer haben diese jahrhundertealten steinernen Zeugen außer ihrem materiellen Wert, auch wie bereits gesagt einen symbolischen Wert. In einer Zeit des Werteverfalls, des Wertewandels und der Neudefinierung von Werten, hat darum der Einsturz einer Kirchenburg selber Symbolwert. Es sind Zeichen, die zum Nachdenken anregen. Aber damit bin ich schon sehr tief in eine Problematik eingestiegen, die mich persönlich natürlich sehr beschäftigt, die ich aber eigentlich nur als Aufhänger für einige Gedanken nehmen wollte, die ich Ihnen an dieser Stelle unterbreiten möchte.
 
II. Wir befinden uns an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl; nach der Definition ihrer Urheber "ein Ort der Erinnerung, der Besinnung und inneren Einkehr, ein Symbol der gemeinsamen Heimat" (Siebenbürgische Zeitung, Folge 8 vom 25. Mai 2007). Sie ist das Werk eines aus Schäßburg stammenden Architekten: Hans Wolfram Theil. Wer hätte gedacht, dass 40 Jahre nach der Einweihung dieser Gedenkstätte die Stadt Dinkelsbühl mit Schäßburg eine Städtepartnerschaft schließen würde? Dinkelsbühl ist für unsere Gemeinschaft (ich erlaube mir jetzt ethnische, kulturelle und kirchliche Gemeinschaft in einem Atemzug zu nennen) ein besonderer Ort. Wer ausgewandert ist, braucht nicht nur Wohnung und Arbeitsplatz, Urlaubsort und Vereinshaus, sondern auch einen Ort, an dem man das Zusammengehörigkeitsgefühl und ein Stück des kollektiven Gedächtnisses, pflegen kann. Dinkelsbühl und diese Gedenkstätte ist ein solcher Ort. Aber – und das dürfen wir nicht vergessen – alles, was von menschlicher Hand geschaffen wurde, ist zeitlich. Es darf uns wichtig sein, aber wir dürfen uns nicht zu sehr daran binden.
Als einer der nie länger als zweieinhalb Monate am Stück hier in Deutschland gelebt hat, der aber hautnah mitbekommen hat, wie binnen weniger Monate mein siebenbürgischer Heimatort zur Geisterstadt wurde, habe ich mir seit meiner frühen Jugend Fragen gestellt, die sich wahrscheinlich viele von Ihnen auch gestellt haben und heute noch stellen: Was bedeutet Heimat? Wo gehöre ich hin? Welche Werte definieren meine Existenz? Wo kann ich zu Hause sein? Die Anfrage der Organisatoren des Heimattages, hier an der Gedenkstätte zu sprechen, hat mich herausgefordert, darüber neu nachzudenken. Gedenken bedeutet für mich vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Vergangenheit (eigene Erfahrungen, aber auch Erfahrungen, die die Vorfahren gemacht haben), die richtigen Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen und Orientierung für die Zukunft zu suchen. Und es bedeutet – auch wenn dies unangenehm werden kann –, sich selbst und seine Vergangenheit kritisch zu beleuchten, um daraus die richtigen Lehren zu ziehen.
 

Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich hielt eine wegweisende Rede
an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl.
Foto: Hans-Werner Schuster

 
Die Zeit, in der wir leben, ist gekennzeichnet durch paradoxe Situationen:
EINERSEITS sind wir durch Personalisierung und Individualisierung so unabhängig, wie wir es nie waren; das führt – positiv ausgedeutet – zu ungeahnten Freiheiten. Für die Gestaltung des Alltags braucht man die Gemeinschaft gar nicht mehr. Wenn man in einen akuten Notfall gerät, ist die Nachbarschaft schon lange nicht mehr der richtige Ansprechpartner. Zugleich aber – und diese negative Seite darf nicht außer Acht gelassen werden – führt diese Entwicklung auch zu nie dagewesenen Egoismen; gerade weil ich den Menschen neben mir nicht mehr unmittelbar brauche, droht er aus meinem Blickfeld zu geraten.
ANDERERSEITS schreiten Globalisierung und Internationalisierung unaufhaltsam voran; und sie tun dies – bedingt durch die technischen Möglichkeiten im digitalen Zeitalter – immer schneller. Das kann für den Einzelnen bedeuten, dass das Mitkommen mit dieser Entwicklung immer schwieriger wird und er oder sie sich immer unverstandener und unwichtiger fühlt. Das alles kann die Chance mit sich bringen, andere Kulturen oder Lebenseinstellungen kennen zu lernen oder die bekannten neu zu bewerten. Viel mehr als früher besteht heute die Möglichkeit, auf einen Menschen mit einem andern kulturellen Hintergrund, aus einer anderrn Erlebniswelt zuzugehen und sich in seiner Lebenswelt, in seinem Denken ein Stück wieder zu finden, ohne die eigene Identität aufgeben zu müssen. Diese Entwicklungen führen zu einem Leben in mehreren Welten oder zwischen unterschiedlichen Welten. Es kann Krise oder Chance sein. Oder beides zugleich. In diesem Kontext stellen sich die Fragen „Wo gehöre ich hin? Was definiert mich? Wo kann ich bleiben was ich bin, und wo muss ich mich weiter entwickeln?“ in einem anderen Licht. Die Antworten auf diese komplexen Fragestellungen können an dieser Stelle nur fragmentarisch ausfallen.
 
Das Wochenmagazin „Der Spiegel“, dem man nun wirklich nicht vorwerfen kann mit Gefühlsduselei zu agieren oder einer Heimattümelei zu frönen, brachte vor ein paar Jahren einen Beitrag unter dem Titel:
„Was ist Heimat? Wo man mich versteht“.
Der Autor Stefan Kuzmany scheibt:„Sein, wer man sein will, Gleichgesinnte finden, sich am richtigen Platz fühlen: Das kann man überall auf der Welt. In Berlin, in der bayerischen Provinz oder auch in Buenos Aires. Denn Heimat ist kein Ort. Heimat ist ein Gefühl. … Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl: Wo mich die Menschen verstehen, wo ich mich nicht verstellen muss, wo Leute sind, die ich mag und die mich mögen, da bin ich daheim. … Heimat entsteht, wenn man die Fähigkeit hat, sich wohl zu fühlen dort, wo man ist. Wer das nicht kann, ist nie daheim – selbst wenn er seinen Geburtsort niemals verlassen hat. Heimat kann man sich machen. Egal wo.“
(Spiegel Online vom 7. April 2012).
Die eingangs gestellten Fragen in dem vorhin beschriebenen paradoxen Lebenskontext betrachtet, haben mich, wie es der Spiegel-Autor sagt, dazu geführt, mir eine Heimat zu kreieren. Nach 1989 in einem sich ständig wandelnden Rumänien, wo meine Gemeinschaft sozusagen inexistent geworden war, wo ich aber leben wollte, musste ich dies tun. Diese von mir zurechtgelegte Heimat hat zwei Aspekte: einen geistlichen und einen ethnisch-kulturellen, wobei sich diese beiden Bereiche überschneiden. Das dominante Lebensgefühl dabei ist die Existenz in und das Pendeln zwischen unterschiedlichen Welten (oder eben „die Fähigkeit mich dort wohlzufühlen, wo ich bin“). Was will ich damit sagen?
 
A. Meine geistliche Heimat ist selbstverständlich die Evangelische Kirche A. B. aus Siebenbürgen mit ihrem reformatorischen geistlichen Profil, mit ihren jahrhundertealten Kirchenburgen und ihren Bräuchen, die über Jahrhunderte hinweg dem Leben Ordnung und Sinn gegeben haben. Aber gerade in dieser Zeit, in welcher Religion als zunehmend gefährlich wahrgenommen wird (gemeint ist natürlich Religion in ihrer fundamentalistischen Ausprägung), ist die Einsicht wichtig, dass Glaube nur dann wahrhaftig sein kann, wenn er auch tolerant ist, wenn er den andern als solchen stehen lassen kann. Aber mehr noch: der Glaube des andern – wenn ich ihn als solchen akzeptiere – kann meinen eigenen Glauben bereichern, gerade weil er anders ist. (Ich war begeistert, diese Idee auch bei Andrei Pleşu vorzufinden, und zwar im Vorwort seines lesenswerten Buches „Parabolele lui Iisus. Adevărul ca poveste“, Humanitas 2012).
Man spricht heute von einer „interkulturellen“ Theologie, einer „Theologie der Anerkennung“. So sehr mir meine Kirche am Herzen liegt, so muss ich immer im Blick haben, dass die von ihr vertretene Weltanschauung und Wertvorstellung nicht alleine selig macht und meine Suche nach Wahrheit nicht die einzige sein kann. Ein guter Freund, der orthodoxer Pfarrer ist, hat gesagt: „Es ist höchste Zeit einzusehen, dass Gott und der Glaube kein Monopol einer (auch nicht meiner eigenen) Kirche sein kann.“ Es ist ein mündliches Zitat aus dem Rumänischen übersetzt und geht auf meinen väterlichen Freund aus Schäßburg, Pfr. i. R. A. Dobre zurück. Derselbe Gedanke ist vor wenigen Tagen aber auch von dem bekannten evangelischen Pfarrer und Wegbereiter der Friedlichen Revolution in der DDR, F. Schorlemmer in einem Interview mit der Zeitung „DIE ZEIT“ (No 21 / 12. Mai 2016) geäußert worden: „Die Wahrheit gibt es heute im Plural! Wer nur auf seine eigene pocht, den müssen wir fürchten.“
 
Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Wenn ich in die Schäßburger Klosterkirche eintrete, dann bin in geistlich zu Hause, weil ich mich Gott nahe fühle und mit den Vorfahren und den jetzt Lebenden im Glauben verbunden bin. Aber wenn die Ökumenische Gebetswoche in Schäßburg läuft und wir gemeinsam mit den Vertretern der andern Konfessionen der Reihe nach in allen Kirchen dreisprachig (rumänisch, ungarisch, deutsch) Gottesdienste feiern, dann bin ich geistlich genauso zu Hause. Das war nicht immer so, das musste gelernt werden. Ignoranz und vielleicht auch ein Stück Verachtung führten dazu, dass ich den Innenraum der orthodoxen Kirche meines Heimatortes zum ersten Mal gesehen habe, nachdem ich von dort längst fort gezogen war. Hier in Deutschland sind wir in dieser Zeit Zeugen einer kontrovers geführten Islamdebatte. Dazu kann ich nicht viel sagen. Worauf ich aber hinweisen möchte ist, dass wir auf dem Gebiete Rumäniens historische Moscheen haben. Die älteste steht in Mangalia an der Schwarzmeerküste: die „Sultan-Esmahan-Mosche“, gebaut im Jahr 1575, drei Jahre nachdem auf der Synode zu Mediasch die Siebenbürger Sachsen die Confessio Augustana als ihr maßgebliches Glaubensbekenntnis annahmen. Schon seit etlichen Jahren findet Ende August das Festival der ethnischen Minderheiten Rumäniens in Schäßburg statt; zu diesem Festival („Pro-Etnica“) kommen auch die Türken und Tataren aus der Dobrudscha; ihre Trachten, Tänze und Speisen gehören selbstverständlich dazu. Vor 400 und mehr Jahren war der Begriff „Türken und Tataren“ ein Schreckenswort; auch wegen ihnen haben die Sachsen Kirchenburgen gebaut. Die Zeiten haben sich geändert. Wenn wir das bisher nicht verinnerlicht haben, sollten wir es vielleicht in Zukunft zu tun versuchen.
 

Zapfenstreich mit der Dinkelsbühler Knabenkapelle an der
Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen.
Foto: Hans-Werner Schuster

 
Ich will bloß so viel sagen: Geistliche Heimat ist mehr als nur die Bindung an ein Kirchengebäude oder das Festhalten an einer dogmatischen Wahrheit, die irgendwann von einem Konzil festgelegt wurde. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als Gott zu finden; Gott in mir selber zu finden und den Menschen neben mir (nicht nur den, der mir nahe steht, sondern auch den, der ferner ist) als ebenbürtiges Geschöpf Gottes zu erkennen, anzuerkennen. Dann kann man die beglückende Erfahrung machen, durch den andern und mit dem andern sich selber besser kennen zu lernen.
B. Der zweite Aspekt der von mir zurecht gelegten Heimat hat etwas mit dem interethnischen und interkulturellen Kontext, in dem ich lebe, zu tun. Meine ethnische Identität ist die siebenbürgisch-sächsische und ich bin glücklich damit. Aber ich bin nicht stolz darauf. Ethnische Zugehörigkeit ist kein Verdienst, sondern eine Gegebenheit. Diese siebenbürgisch-sächsische Identität hat ihre Besonderheiten im Laufe der Jahrhunderte durch Abgrenzung von andern ethnischen Identitäten definiert, so wie andererseits andere ethnische Identitäten sich genauso durch Abgrenzung definiert haben. Auch das ist eine Gegebenheit und grundsätzlich nichts Schlechtes. Problematisch beginnt es dann, zu werden, wenn diese Abgrenzung in Arroganz, Überheblichkeit oder Hass ausartet. Leider hat diese Abgrenzung vor allem in der zweiten Hälfte des 19. und dann im 20. Jahrhundert zu xenophoben Haltungen und zu unermesslichem Leid geführt. Beispiele dafür gibt es genügende: die Magyarisierung im Zuge des österreichisch-ungarischen Ausgleichs, der von den Nationalsozialisten propagierte Hochmut mit seinen menschenverachtenden Auswüchsen der Dreißigerjahre oder der rumänische Nationalkommunismus mit seinen Folgen. Details darüber erspare ich Ihnen an dieser Stelle; sie sind auch hinreichend bekannt.
 
Mein Freundeskreis besteht aus Menschen, die unterschiedlichsten Ethnien angehören. Sie geben mir das Gefühl (um in der Terminologie des Spiegel-Autors zu bleiben) „mich zu verstehen; mich nicht verstellen zu müssen; mich zu mögen“. Das Gefühl verstanden zu sein, das Gefühl ich selber sein zu dürfen, führt zu einem Austausch, den ich als ungemein bereichernd empfinde. Das setzt natürlich auch voraus, dass ich selber bereit bin, die Sprache und die Kultur des anderen – soweit dies eben möglich ist – mir anzueignen, zu verinnerlichen. Es ist ungeheuer spannend, dies zu tun, denn es hilft einem sich selber in einem andern Licht zu sehen, über sich selbst reflektierend nachzudenken und – wenn es sein muss – eben auch Dinge infrage zu stellen, die man lange als selbstverständlich betrachtet hat. Auch an dieser Stelle möchte ich nicht falsch verstanden werden. Ich bin gerne unter meinen Siebenbürger Sachsen und lege auch großen Wert darauf, mit meinen eigenen Kindern, sächsisch zu reden, und zwar meinen Leschkircher Heimatdialekt. Aber „die Fähigkeit, mich wohlzufühlen, wo ich bin“ habe ich auf jeden Fall auch dann, wenn ich mit meinen rumänischen Freuden ein Glas Wein trinke oder wenn ich ungarische Volktänze sehe. Ja, selbst wenn ich zu Weihnachten bei den evangelischen Zigeunern in Weilau bin und das Lied (es ist so etwas wie ihre Weihnachtshymne) „Uşten, uşten, vai romale“ singen höre und mitsinge, dann „bin ich bei Leuten, die ich mag und die mich mögen, da bin ich daheim“. Das alles hat mein Leben ungemein bereichert und zu meiner Entwicklung als Person beigetragen. Menschen unterschiedlichster Ethnien und Kulturen haben Werte, die auch zu meinen Werten geworden sind. Mein Leben wäre ohne sie viel ärmer und darum möchte ich all diese Erfahrungen nicht missen.
 
III. Ich hatte meine Rede damit begonnen, indem ich an die eingefallenen Türme aus Radeln und Rothbach erinnert habe. Es gibt natürlich auch die andere Variante. In den vergangenen Jahren habe ich eine Reihe von frisch renovierten Kirchen oder Kirchenburgen einweihen dürfen: z. B. in Kreisch oder in Groß-Alisch. Im vergangenen Jahr wurde in meiner Heimatgemeinde Leschkirch die Kirche renoviert und wieder eingeweiht; sie erstrahlt in einem Glanz, der einer ganzen Reihe von Generationen, nicht zu sehen vergönnt war. Und dies paradoxerweise 25 Jahre nach der großen Auswanderungswelle und zehn Jahre, nachdem die letzte evangelische Seele vor Ort verstorben ist. Auch das hat Symbolwert.
Wir Menschen sind so veranlagt, dass wir uns an Sichtbares, Anfassbares, an Orte klammern. Materielle Dinge sind jedoch zeitlich. Sie sind einem ständigen Werden und Vergehen ausgesetzt. Die menschliche Seele ist aber für die Ewigkeit bestimmt. Dinge von ewigem Wert anzustreben, das sollte erstes Ziel menschlicher Anstrengung sein. Heimat in der Ewigkeit zu suchen – das ist nicht mit einer Sehnsucht nach dem Jenseits zu vergleichen, auch wenn die letzte Station unseres Weges nicht in dieser Welt liegt. Ewige Werte sind Liebe und Treue, Anerkennung und Wertschätzung des Mitmenschen. Und es ist der Glaube an Gott, DER uns alle Zeit nahe ist. Die Bindung an solche immateriellen Werte ist für mich zum Schlüssel geworden, dies Leben zu verstehen und es anzugehen. Das Ganze ist abgedeckt von der Aussage Jesu Christi, die eine universelle Tragweite hat: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Matthäus 16,26a)
 
Herzlichen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit!