Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst am Karfreitag, 10. April 2020


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Leitspruch:
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

Choral: „O Haupt voll Blut und Wunden“ 
(Siebenbürgisches Gesangbuch Nr. 60, auffindbar auch auf: https://www.youtube.com/watch?v=MY-aowxVXfI)
1. O Haupt voll Blut und Wunden, / voll Schmerz und voller Hohn, / o Haupt, zum Spott gebunden / mit einer Dornenkron, / o Haupt, sonst schön gezieret / mit höchster Ehr und Zier, / jetzt aber frech verhöhnet / gegrüßet seist du mir!
2. Nun, was du, Herr, erduldet, / ist alles meine Last; / ich hab es selbst verschuldet, / was du getragen hast. / Schau her, hier steh ich Armer, / der Zorn verdienet hat. / Gib mir, o mein Erbarmer, / den Anblick deiner Gnad.
3. Ich will hier bei dir stehen, / verachte mich doch nicht; / von dir will ich nicht gehen, / 
wenn dir dein Herze bricht; / wenn dein Haupt wird erblassen / im letzten Todesstoß, / alsdann will ich dich fassen / in meinen Arm und Schoß.
4. Ich danke dir von Herzen, / o Jesu, liebster Freund, / für deines Todes Schmerzen, / da du’s so gut gemeint. / Ach gib, dass ich mich halte / zu dir und deiner Treu / und, wenn ich nun erkalte, / in dir mein Ende sei.
5. Wenn ich einmal soll scheiden, / so scheide nicht von mir, / wenn ich den Tod soll leiden, / so tritt du dann herfür; / wenn mir am allerbängsten / wird um das Herze sein, / so reiß mich aus den Ängsten / kraft deiner Angst und Pein.
6. Erscheine mir zum Schilde, / zum Trost in meinem Tod, / und lass mich sehn dein Bilde / in deiner Kreuzesnot. / Da will ich nach dir blicken, / da will ich glaubensvoll / dich fest an mein Herz drücken. / Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Psalm 22 i. A. 
2. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
3. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
4. Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
5. Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
6. Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
7. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
8. Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
9. »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«
12. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
16. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen, / und du legst mich in des Todes Staub.
19. Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.
20. Aber du, HERR, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. 
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Kollektengebet für Karfreitag
Herr Jesus Christus, du hast uns an deinem Kreuz eine Stätte ewigen Friedens bereitet. Wir bitten dich, sende uns den Frieden, der allen Streit dieser Welt überwindet und lass uns im Leiden deine Gnade erfahren und im Sterben deines Sieges gewiss bleiben. Der du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelium: Johannes 19,16-30
Jesu Kreuzigung
16. Pilatus überantwortete ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, 17. und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 20. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. 22. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 23. Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. 25. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 26. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27. Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. 30. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.
Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Lob sei dir o Christe!

Predigt zu Jesaja 52 und 53 i. A.
52 / 13. Siehe, meinem Knecht wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. 14. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –, 15. so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren.
53/ 3. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.
4. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
11. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.  soweit das Wort der Hl. Schrift.

Liebe Gemeinde! 

Wahrscheinlich hat jeder von uns schon den Begriff „Voyeurismus“ gehört. Zu allen Zeiten gab es Menschen die sich von Unfällen, Katastrophen oder Epidemien bzw. der Berichterstattung darüber richtiggehend angezogen fühlen. Das Phänomen hat es schon immer gegeben, aber im heutigen Medienzeitalter hat es neue Dimensionen erreicht. Es gibt spezialisierte Reporter, die nur darauf warten, dass irgendwo etwas Schreckliches geschieht, um dann sofort hin zu fahren und vom Ort des Geschehens detailgetreu zu berichten. Jeder von uns kennt diese Art von Berichterstattung: da wartet z. B. eine Traube von Journalisten auf die Angehörigen einer Flugzeug- oder Schiffskatastrophe. Als ob die Familienmitglieder oder Freunde der Verunglückten nicht schon belastet genug wären, kommen dann bei laufenden Kameras die bohrenden Fragen: „Wie fühlen Sie sich?“; „Sagen Sie doch, wie geht es Ihnen in diesem Moment!“ Solche Aufforderungen fügen den Angehörigen noch weiteren Schmerz zu. Da ist niemand daran interessiert diesen Menschen wirklich zu helfen. Im Gegenteil: Unbeteiligte ergötzen sich am Schmerz und der Trauer fremder Menschen. Wenn wir heute den Fernseher anmachen, kommt garantiert nach kurzer Zeit ein Bild mit einer Isoliertrage, die von weiß gekleideten Männern in den Spezialkrankenwagen gehoben wird oder einem Krankenhausbett in dem ein Mensch liegt, den man ob der vielen Schläuche und des darum versammelten medizinischen Personals gar nicht richtig erkennen kann.
Als Jesus gekreuzigt wurde, war es wahrscheinlich nicht viel anders. Zwar waren keine Videokameras dabei, die live übertrugen (Wenn es der Fall gewesen wäre, hätte sich sicher ein Reporter gefunden, der Maria ein Mikrofon entgegengestreckt hätte und sie gefragt hätte: „Was fühlen Sie als Mutter des zu Tode verurteilen?“). Wohl aber waren es aber – wie die Evangelien berichten – nicht wenige, die vor die Tore Jerusalems herausgekommen waren, um zu sehen wie drei Menschen auf grausamste Art und Weise umgebracht wurden. Das kribbelnde Gefühl des Voyeurismus ist kein Produkt unserer Zeit. Der einzige Unterschied zwischen damals und heute war, dass die Bühne damals begrenzter war. 
Alles ist schön und gut, solange man nicht selber betroffen ist. Dann hört der Spaß urplötzlich auf, wobei ich jetzt gar nicht in die Waagschale werfen möchte, was schlimmer ist: direkt betroffen zu sein als Unfall- oder Krankheitsopfer oder als nahestehender Mensch, der nichts mehr für die geliebte Person tun kann. Nähere Beschreibungen erübrigen sich an dieser Stelle. 

Heute am Karfreitag – dem Tag der Kreuzigung Jesu – gehen wir der Frage nach, wie mit Jesu Leiden und Tod umzugehen ist, ohne jedoch dem Voyeurismus zu verfallen. Das Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja (es gibt insgesamt vier sogenannte „Gottesknechtslieder“ in den Kapiteln 42, 49, 50 und 52/53 des Jesajabuches) klingt, zumindest in Ansätzen, wie ein Bericht, der menschlichen Voyeurismus bedienen möchte. Wenn man sich aber in den Text vertieft – es empfiehlt sich die ganzen beiden Kapitel 52 und 53 zu lesen – dann wird klar, worauf das Ganze hinaus will. 
Dieser prophetische Text gibt Hilfestellung dazu, die sinnlose Hinrichtung Jesu, inmitten von Verbrechern, als Weg Gottes zu unserem Heil zu deuten. Zunächst kommt bei dem Propheten Gott selbst zu Wort: „Siehe, meinem Knecht wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.“ Das ist ein Hinweis darauf, dass dieser Tod einen Sinn hat. Das was man sieht, nämlich einen Leidenden und Sterbenden, ist nur der eine Teil der Wahrheit. Gott wird aus dieser Situation etwas Neues schaffen. 
Der Prophet verlässt dann „göttliche“ Perspektive und stellt sich auf die Seite der Menschen: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen … er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen …“ Zu diesem Leidenden ist keine Distanz möglich. Die neutrale Perspektive des Betrachters aus dem Fernsehsessel (so wie man Katastrophennachrichten sieht und – wenn es einem zu viel wird – auf einen anderen Sender umschalten kann) ist unmöglich geworden. Die Erfahrung persönlicher Schuld, das Gefühl, Gott nicht gerecht werden zu können, wird am Kreuz Jesu deutlich. 
Und ein letzter Aspekt ist jener des Trostes und der Hoffnung: „Durch seine Erkenntnis, wird er, mein Knecht, der gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen, denn er trägt ihre Sünden.“ Die Frage nach Gottes Gegenwart im Leiden, die Frage, wie er Krankheiten und Grausamkeiten zulassen kann, bekommt hier eine Antwort. Gott selbst trägt das Gesicht eines leidenden Menschen. Er schaut nicht aus der Distanz zu, sondern leidet mit. Gerade dadurch wird es möglich sein, dass er den „Vielen Gerechtigkeit verschaffen“ wird. 

Der leidende Gottesknecht, der hingerichtete Jesus, ist ein Urbild unseres Leidens, die uns auch in den Bildern von Flugzeugunglücken, Attentaten und eben auch Epidemien begegnen. Doch dieses Bild lädt dazu ein, über das was man sieht hinweg, vertieft zu werden. Indem wir einen Blick für das Leiden des Anderen entwickeln, kann dieses Leiden eine Hinführung zum Glauben werden. Kein voyeuristischer Blick ist gefragt, sondern einen Blick, der sich mit dem Leiden identifiziert. Durch den Gekreuzigten, hat sich Gott selbst eingereiht in die Leidenden dieser Welt, hat er sich mit unserem Leiden identifiziert. Aber gerade darin, dass sich Gott derart erniedrigt hat, hat er die Überwindung des Leids herbeigeführt. Amen.

Gebet 
Allmächtiger Gott, wir danken Dir, dass Du Deinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle in den Tod gegeben hast. Schaue gnädig auf Deine Gemeinde, für die Dein Sohn sich geopfert hat. Hilf uns durch Sein Kreuz, dass wir mit unseren Leiden und jenen der Mitmenschen umzugehen lernen. Bewahre uns davor, Leiden aus voyeuristischer Perspektive zu betrachten. 
Wir bitten Dich für die Menschen, die von der jetzt herrschenden Pandemie, aber auch von anderen unermesslichen Nöten in der ganzen Welt betroffen sind: bereite aller Not ein Ende. Wir bitten Dich für alle im medizinisch-pflegerischen Bereich tätigen Menschen: statte sie mit Mut und Hoffnung aus, dass sie ihren Pflichten gewissenhaft nachkommen können.
Wir bitten Dich für uns alle: gib uns Kraft diese Zeit der Einschränkungen zu überstehen und lass uns in der Isolation Deine Erleuchtung erfahren. 

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und gnädige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. 
Amen





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