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Predigt zur Leuenberger Konkordie am Reformationsfest 31. Oktober 2005

Dr. Árpád Ferencz
Reformierte Theologische Universität Debrecen ( Ungarn )
 
Das Wesen der Reformation und der Leuenberger Konkordie ( Seite 1 )
 
(Kurzvortrag anlässlich des gemeinsamen Abendmahlgottesdienstes der lutherischen und reformierten Kirchengemeinden in der Klosterkirche zu Schäßburg)
„Der Christenmensch ist ein freyer und niemand Untertan”, lautet Luther Grundthese zur Lage des christlichen Menschen. Betrachtet man die Reformation, zumindest in der früheren Phase, so entsteht vor dem Augen des Betrachters ein Bild, demnach die Reformation unter anderem auf die Freiheit eines Christenmenschen gesetzt hat. Diese Lage ändert sich jedoch in dem Masse, in dem wir die Geschichte der Reformation uns anschauen und betrachten, wie die verschiedene reformatorische Konfessionen sich untereinander verhalten haben - als seien sie keine Geschwister, sondern wirkliche und wahre Gegner. Es entsteht leicht das Bild, wer solche Geschwister hat braucht keine Feinde mehr zu haben. Die Fragen, um die es bei den Streitigkeiten gegangen ist, haben sich um die Lehre des Abendmahls konzentriert. Ist das Abendmahl die Realpräsenz Christi, oder ist es „nur” ein Gedächtnismahl, und wie steht es mit dem Gegenwart Gottes im Sakrament? Eine Annäherung in diese Streitfragen stand zunächst nicht zur Debatte. Es schien, als ob die Reformatoren vergessen hätten, dass in beiden Konfessionen die Frage nach dem gnädigem Gott und der Barmherzigkeit Gottes in Christus zentral ist. In den Zeiten der Orthodoxie und auch noch im 20. Jahrhundert haben sich die verschiedene reformatorische Konfessionen die Distanz bewahrt. Zwar haben sie gemeinsam im 1934 die so genannte „Barmer Theologische Erklärung” der Bekennenden Kirche verabschiedet, aber dies hat die Lage nicht sehr weit geändert. Das Wesen der Reformation, der im Christus gewonnenen Freiheit schien zu schlummern.
Die Lage änderte sich ab den 1960-er Jahren, als innerhalb des ökumenischen Rats der Kirchen (öRK) der reformiert-lutherische Dialog begonnen hat. Dies führte zunächst zu einem gemeinsamen Verständnis der Geschwisterschaft. Jedoch noch nicht zu einem Verständnis der Kirchengemeinschaft. Die Verhandlungen haben die Lage der EKD verändert. Zwischen 1968-1970 wurden theologische Gespräche innerhalb der Mitgliedkirchen der Evangelischen Kirchen in Deutschland ( EKD ) geführt. Diese Gespräche basierten auf den § 7 der Confessio Augustana (CA), demnach für eine wahre Kirche die rechte Verkündigung der Evangeliums und das rechte Verwalten der Sakramente gehören. Diese Gespräche bildeten die Grundlage der Leuenberger Konkordie, die in der ursprünglichen Form in 1971 auf dem Leuenberg in der Schweiz angenommen wurde. Diese trägt den Titel Entwurf einer Konkordie reformatorischen Kirchen.
 
Das Wesen der Reformation und der Leuenberger Konkordie ( Seite 2 )
 
Im vier Teilen werden daran gehandelt die Unterschiede der heutigen reformatorischen Konfessionen, bzw., warum die nicht mehr zutreffen. In der Konkordie wird unter der Berufung auf der freie Gnade Gottes eine Kirchengemeinschaft im Verkündigung und Sakrament dargestellt. Den endgültigen Text der Konkordie wurde in der zweiten Sitzung der reformatorischen Kirchen am 16.März 1973 angenommen.
 
Was ist nun Kirchengemeinschaft im Sinne der Konkordie?
 
Darauf antwortet der § 29 der Konkordie:
 
Kirchengemeinschaft im Sinne dieser Konkordie bedeutet, dass die Kirchen verschiedenen Bekenntnisstandes aufgrund der gewonnenen übereinstimmung im Verständnis des Evangeliums einander Gemeinschaft an Wort und Sakrament gewähren und eine möglichst grosse Gemeinsamkeit im Zeugnis und Dienst an der Welt erstreben.
 
Wie verhält sich dieses nun zum Wesen der Reformation?
 
Ich wage es zu behaupten, dass es ein Beweis der Respektierung der Freiheit ist, wenn Kirchen verschiedener Konfessionen miteinander am Abendmahl teilnehmen.
 
Und noch ein Schlusswort zur Lage Siebenbürgens: Als der Sachsenbischof Mathias Hebler zur Zeiten der Reformation die Pfarrerschaft aufgefordert hat, die „Sekte der Sakramentarier” zu verurteilen, haben sich die überwiegend sächsischen Pfarrer dem entgegengestellt und auf die Freiheit des Christenmenschen bestanden.
Diese kleine geschichtliche Tatsache soll uns begleiten und uns als Beispiel dienen auf dem Prozess der Annäherung unserer Kirchen im Dienst an der Welt, d.h. „im Zeugnis am Evangelium”.