Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst am Sonntag Misericordias Domini, 26. April 2020


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Sonntag Misericordias Domini – 26. April 2020

Wochenspruch:
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh. 10,11a.27-28a)
Choral: „Der Herr ist mein getreuer Hirt“ 
Siebenbürgisches Gesangbuch Nr. 198 
oder https://www.youtube.com/watch?v=XTLaIrkZxkQ

Psalm 23 
1. Der HERR ist mein Hirte, / mir wird nichts mangeln.
2. Er weidet mich auf einer grünen Aue / und führet mich zum frischen Wasser.
3. Er erquicket meine Seele. / Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, / fürchte ich kein Unglück; 
denn du bist bei mir, / dein Stecken und Stab trösten mich.
5. Du bereitest vor mir einen Tisch / im Angesicht meiner Feinde. 
Du salbest mein Haupt mit Öl / und schenkest mir voll ein.
6. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, / 
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Kollektengebet für den 2. Sonntag nach Ostern:
Allmächtiger Gott, gütiger Vater, / Du hast den Hirten Deiner Herde aus dem Tode erweckt. Gib uns Deinen Geist, dass wir Deine Stimme erkennen und ihm folgen, damit uns Sünde und Tod nicht aus Deiner Hand reißen. Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelium: Johannes 10,11-16.27-30
11. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12. Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13. denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15. wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. … 27. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28. und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29. Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen. 30. Ich und der Vater sind eins.	
Lob sei Dir, o Christe!

Liebe Schwestern und Brüder!
Seit ein paar Sonntagen schon versuchen wir aus der gegebenen Situation das Beste zu machen und das gesetzlich festgelegte Versammlungsverbot zu überbrücken, indem wir als Pfarrer und Kantoren Gottesdienste ins Internet stellen. Es ist sicherlich kein Ersatz für den Kirchgang, aber eine Alternative, um diese besondere Zeit zu überbrücken. 
Am 2. Sonntag nach Ostern, dem des guten Hirten, gehen wir einen Schritt weiter und laden auf eine virtuelle gottesdienstliche Reise durch den Schäßburger Bezirk der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien ein. Wir sind von Keisd losgegangen, sind nach Schäßburg gekommen und dann nach Sächsisch-Regen hochgefahren, wieder zurück gekommen und werden weiter nach Malmkrog ziehen. Unser Weg hat dabei – zufällig oder nicht 😊 – die Form der sogenannten COVID19-Kuve, aber in umgekehrter Richtung.

Mit unserem Gebet und der Verkündigung, mit Musik und Bibelworten dokumentieren wir, dass unser ganzes Christenleben, und erst recht diese Zeit, von Gottes heilender Gnade seine Kraft her nimmt. Zum Nachdenken lädt uns heute ein Wort aus dem Hebräerbrief ein:

Hebräer 13,20-21: 
20. Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, 21. der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Der erste Begriff aus diesem Bibelwort an dem ich hängen bleibe, ist jener des „Friedens“. Es ist bemerkenswert, dass globale Bedrohungen der letzten Zeit in zwei Arten von Gefährdungen gesehen wurden: einerseits waren das kriegerische Auseinandersetzungen und andererseits waren es die bedenklichen Entwicklungen, die der Klimawandel generiert. Zwar hat man ab und zu mal bei Verschwörungstheoretikern über Virenbedrohungen gelesen, aber das Thema kam eigentlich nur am Rande vor. Jetzt sind wir mitten in einer solchen Krise. Was als erstes auffällt, ist die Ambivalenz des Ganzen. Die vom Virus direkt Betroffenen sehen natürlich mit Bedenken der Zukunft entgegen und die stillstehende Wirtschaft hinterlässt bei allen ein mulmiges Gefühl. Der Stillstand im Sinne einer schon seit längerer Zeit von manchen Fachleuten als nötig gesehenem Entschleunigungsprozess, hat aber seine durchaus positiven Seiten. Frieden – im biblischen Sinne – bedeutet ja weitaus mehr, als das nur die Waffen schweigen. Der hebräische Begriff Schalom meint „ganzheitliches Wohlergehen“ und bezieht sich auf Mensch und Natur. Die Tatsache, dass im Moment – zumindest in der kollektiven Wahrnehmung (ob es wirklich der Realität entspricht, ist eine andere Frage) – der Mensch bedrohter zu sein scheint, als der Rest der Natur, und das diese Bedrohung sogar Regierungschefs treffen kann, lädt zur Reflexion ein: einerseits darüber, was der Mensch alles falsch gemacht hat und auch weiterhin falsch macht; andererseits darüber, dass den Frieden im Sinne ganzheitlichen Wohlergehens Gott alleine geben kann bzw. dass Gott alleine der Garant dieses Friedens ist. 

Worauf uns das vorhin verlesene Bibelwort weiterhin verweist, ist der „Wille Gottes“. Es ist die Konsequenz aus dem bisher dargestellten. Der von Gott gewollte Friede, kommt dadurch zustande, dass der Mensch Gottes Willen tut. Und zwar soll der Mensch dies nicht nur irgendwie oder punktuell tun, sondern – wie es hier heißt – „in allem Guten“. Krankheit ist nichts Gutes und sie ist ein Zeichen der Abwesenheit des Friedens im Sinne „ganzheitlichen Wohlergehens“. Paradoxer Weise – so werden wir in dieser Zeit belehrt – tun wir etwas Gutes, wenn wir zu Hause bleiben. Theologisch ausgedeutet, sehe ich in dem aktuellen Ausgehverbot eine Art Bußübung, so ähnlich wie wir als Kinder Hausarrest bekamen, wenn wir etwas verbockt hatten. Hoffentlich erinnern wir uns daran, wenn Zusammenkünfte wieder erlaubt sind und wissen diese entsprechend zu schätzen. 
Wenn man einen Blick auf die Natur wirft – ich meine z. B. Bilder von wilden Tieren, die durch leere Straßen geschlossener Ortschaften wandern – dann hat man mitunter das Gefühl, dass ein Stück „himmlischen Friedens“ auf Erden eingezogen ist. Und indem viele Menschen jetzt nicht ins Flugzeug steigen, ist der Himmel über uns ruhiger und die Luft reiner. Sicher ist damit noch nicht das „ganze Gute“ im Sinne unseres Bibelwortes definiert. Die Frage, die ich mir stelle ist, ob der Mensch überhaupt in der Lage sein wird, aus den jetzigen Erfahrungen etwas zu lernen? Z. B. zu lernen, dass Heilung nicht nur eine Frage medizinischen Fachwissens (und sicherlich auch eine Frage des Geldes) ist, sondern immer auch ein Stück Wiederherstellung der Gottesbeziehung bedeutet. Zur Zeit wartet die Menschheit auf den Impfstoff gegen das Virus, als ob sie auf den Messias warten würde. Doch steht hinter dieser Erwartung nicht die so menschliche und auch egoistische Sehnsucht, dass es dann so weiter gehen kann und weiter gehen wird, wie vor dem Lockdown. Ist das wirklich erstrebenswert? 
Den Zustand der Vollkommenheit – in dem Sinne, dass es keine Krankheit und keinen Tod mehr geben wird – wird auf dieser Welt nie erreicht werden. Gerade weil wir dem natürlichen Tod verfallen sind, war die Rettung von dem ewigen Tode nötig, und das geschah – wie es im Hebräerbrief heißt – durch die „Heraufführung des großen Hirten vom Tode“. Es gilt sich diesem Hirten anzuschließen und das Gute, das Ihm Wohlgefällige zu tun. Dann wird Gottes Friede bei uns einziehen. Amen.

Hauptgebet (Pfr. Joachim Lorenz / Malmkrog):
Herr Jesus Christus, als guter Hirte bist du bereit, uns zu führen.
Du führst uns hin zum frischen Wasser, damit wir nicht am Lebensdurst zugrunde gehen.
Du führst uns durch dunkle Täler, dass wir in guten wie in bösen Zeiten auf das Ziel unseres Lebens zugehen.
Du führst uns auch durch diese Tage und Wochen, in denen viele von uns vor ganz besonderen Herausforderungen stehen.
Wir danken dir, dass wir in deiner Nähe sein dürfen. Wir danken dir, dass du weißt, was wir wirklich brauchen.
Wir danken dir, dass du dem Verlorenen nachgehst und auch den Schwächsten und Unbedeutendsten nicht aufgibst.
So sagen wir dir auch heute unsere Bitten und vertrauen darauf, dass du uns hörst.
Herr, so vieles in unserer Welt ist durcheinander. Menschen leben in Angst und Not, müssen aus ihrer Heimat flüchten, werden verfolgt oder verlieren durch Katastrophen ihre Lebensgrundlage.
Wir bitten dich: Sei du auch ihr guter Hirte, der sie durch das dunkle Tal zu neuer Hoffnung führt.
So viele fürchten in diesen Wochen und Monaten um ihre Gesundheit oder gar um ihr Leben, um den Arbeitsplatz und leiden unter der Einsamkeit durch die staatlichen Beschränkungen. 
Wir bitten dich: Gib ihnen Mut, auf dich zu vertrauen und lass sie Zeichen der Anteilnahme durch andere Menschen erfahren.
Wir bitten dich auch für alle, die einen lieben Menschen verloren haben und noch nicht einmal richtig Abschied nehmen konnten. Tröste du sie mit deiner Gegenwart und liebevollen Zuwendung.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich für die vielen Kinder, Frauen und Männer, die in dieser Situation besonders unter häuslicher Gewalt leiden müssen. Gib ihnen Mut, nach Hilfe zu suchen und öffne uns allen die Ohren und Herzen für ihre Not.
Wir bringen dir auch die Menschen in der Gegend von Suceava, die jetzt in besonderer Weise isoliert sind. Sei du auch dort mit deiner Barmherzigkeit und liebevollen Fürsorge.
Begleite und führe alle, die Verantwortung tragen für Menschen: die Politiker, Wissenschaftler, Ärzte und Helfer. Gib ihnen Kraft und Weisheit, das richtige zu tun. Schenke auch ihnen ermutigende Menschen an ihrer Seite.
So bitten wir dich auch für unsere Kirche und unsere Gemeinden. Lass uns in dieser Zeit ganz besonders Wege zu den Herzen der Menschen finden, um dich als den lebendigen und Auferstandenen zu bezeugen. Lass unser Zeugnis glaubhaft sein und andere in die Gemeinschaft mit dir einladen.

Vaterunser im Himmel / Geheiligt werde Dein Name / Dein Reich komme / Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute / Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigeren. / und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Es segne und behüte Euch der allmächtige und barmherzige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. 

Abkündigungen: 
Auf Wunsch der Familie teilen wir mit, dass am 21.04.2020 in Târgu Mureș Walter Lutsch, geb. am 2.08.1938 verstarb. Zur Zeit der Urnenüberführung nach Schäßburg wird die Bergglocke am Samstag, dem 25.04.2020 um 13 Uhr läuten. Wir bitten den allmächtigen Gott, er möge den Heimgegangenen in Seinem Frieden ruhen lassen und ihn dereinst zu seinem Reich erwecken. Der allmächtige Gott möge die Angehörige und Freunde begleiten, den Schmerz zu überwinden.





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