Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst, Okuli, 7. März 2021, 

Duminica  Oculi, 7 Martie 2021, serviciu divin

2021. március 7-en, Böjt 3., Istentisztelet



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Wochenspruch – Lukas 9,62b:
Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Lasst uns beten!

Psalm 34 i. A. 
16. Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten / und seine Ohren auf ihr Schreien. 17. Das Antlitz des HERRN steht wider alle, die Böses tun, / dass er ihren Namen ausrotte von der Erde. 18. Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR / und errettet sie aus all ihrer Not. 19. Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, / und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. 20. Der Gerechte muss viel leiden, / aber aus alledem hilft ihm der HERR. 21. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, / dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird. 22. Den Frevler wird das Unglück töten, / und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. 23. Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, / und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld. 
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Markus 12,41 - 44
41. Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. 42. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das ist ein Heller. 43. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. 44. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.            Der Herr segne sein Wort an unsern Herzen!

Liebe Brüder und Schwestern an den Bildschirmen!
Konkret muss man sich die Handlung dieser Geschichte etwa so vorstellen: im Vorhof des Jerusalemer Tempels standen mehrere Opferstöcke. Die meisten hatten eine feste Zweckbestimmung, so ähnlich wie es heute unsere zweckgebundenen Kollekten oder Spenden sind. Ein Opferstock war für freiwillige Gaben bestimmt; „zur freien Verfügung des Presbyteriums oder des Kirchenvorstandes“ würden man heute sagen. Priester standen dort, nahmen die Spenden entgegen, und fragten die Geber, wofür ihre Gabe bestimmt sei. Besonders hohe Spendenbeträge wurden dann ausgerufen – ganz laut mit dem Namen des Spenders! Der Spruch „Tu Gutes und sprich darüber!“ ist also keine Erfindung der heutigen Zeit. 
Jesus hatte sich hingesetzt und dem bunten Treiben zugehsehen, zunächst kommentarlos. Weder lobte er die großzügigen Reichen, noch verurteilte er jene, die nichts gebend vorübergingen. Nur als diese Frau kam, die wahrscheinlich keinem andern aufgefallen wäre, rief Jesus seine Jünger zusammen und fordert sie auf, sie sich genauer anzusehen. Als Witwe hatte sie wahrscheinlich so ziemlich alles was man auf dieser Welt verlieren kann auch verloren. Alles was sie noch hatte, legte sie in den Gotteskasten. Unvernünftig ist sie nach weltlichen Maßstäben. Sie hatte keine Angst vor der Armut und sie fürchtete sich nicht zu verhungern.
In dieser Geschichte von den zwei Scherflein der Witwe (heute wären es „zwei Cent“ im Euroraum oder „zwei bani“ hier in Rumänien) geht es um mehr, als um Geld. Jesus behandelt ein weitaus umfassenderes und wesentlicheres Thema, als jenes, wie materielle Werte verwaltet und eingesetzt werden sollen. Nicht zufällig verortet der Evangelist Markus diese Geschichte in dem letzten Teil des Evangeliums, in dem anschließend die Endzeitreden folgen und dann die Leidensgeschichte Jesu einsetzt. Hier geht es um alles oder gar nichts, so wie es der Wochenspruch formuliert: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes (Luk 9,62).“ 
In dieser Geschichte wird uns ein Mensch vorgestellt, der einzig und allein Gottes Nähe sucht. Ja vielmehr: der Gott bereits ganz nahe IST. Diese Witwe ist Gott weitaus näher als die andern, die sich ihm nahe wähnen, wobei diese anderen in drei Kategorien aufgeteilt werden können: 1) die Reichen, die über substanzielle Geldspenden ihre Gottesnähe dokumentieren; 2) die Pharisäer, welche es über ihre besondere Frömmigkeit tun oder 3) die Priester, die durch ihren ständigen Tempeldienst Gott nahe kommen. 
Mit dieser Geschichte wird uns ein Paradoxon vor Augen geführt. Diese Frau ist nicht arm, sondern reich, während die betuchten Geber im Tempel vor Gott anonym und arm bleiben. Diese Frau hat so viel mehr an Vertrauen, an Hoffnung, an Gottesnähe, dass sie durch ihre Spende tatsächlich reicher und nicht ärmer wird. Sie ist die einzige, von denen, die Jesus beobachtete, die ihr Leben ganz vertrauensvoll in Gottes Hand legt.
Unsere Geschichte erzählt davon – und darum ist sie wichtig für die Fastenzeit – dass es viel schlimmere Armut gibt, als Mangel an Geld oder an materiellen Werten. Es ist die Armut: an Vertrauen, an Geborgenheit, an Liebe, an Demut und anderem mehr. Diesen inneren Reichtum oder diese inneren Werte zu erwerben, sollte unser Ziel sein. Innerer Reichtum kann mancherlei Gestalt annehmen. Die Tat dieser armen Witwe können wir nicht einfach nachmachen, weil wir (oder die meisten von uns) nicht so arm sind. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Viel wichtiger ist es, sich je neu in Erinnerung zu rufen, welches die wirklich wichtigen Dinge in unserem Leben sein sollten und dementsprechend unsere Prioritäten zu setzen. Wir gehören Gott mit allem, was wir sind und haben und sind Nutznießer seiner großen Gnade. Das ist ein unermesslicher Reichtum. Amen.

Lasst uns beten:
Ewiger, barmherziger Gott. Du rufst uns in Deine Nachfolge und erwartest, dass wir Dir ungeteilten Herzens folgen. Befreie uns von aller Selbstsucht, damit wir uns einander lieben, wie Du uns liebst. Wir danken Dir, dass Du uns reichlich und täglich mit deiner Gnade beschenkst. 
Lass uns in dieser Fastenzeit neu dessen inne werden, welches die wirklich wichtigen Werte in unserem Leben sind. Lass uns aufs Neue den Weg zu Dir und zueinander finden. 

Vater unser im Himmel / Geheiligt werde Dein Name / Dein Reich komme / Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute / Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigeren. / und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.


Segen:   Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist

Amen.



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