Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Predigt am Sonntag, 5. April 2020, Palmsonntag

Wochenspruch:
Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
(Johannes 3,14-15)

Choral: „Mein Erlöser auch für mich“ 
(Siebenbürgisches Gesangbuch Nr. 52)
1. Mein Erlöser, auch für mich / gingst du hin zum Leiden, / und begabst aus Liebe dich / aller deiner Freuden. / Littest Bande, Schmerz und Hohn, / sahst den Tod von ferne; / doch ertrugst du, Gottes Sohn, / alle Leiden gerne.
2. Lass das Wort von deinem Kreuz / mich mit Mut beleben, / standhaft jeder Sünde Reiz / hier zu widerstreben. / Du bist auch für meine Schuld / doch am Kreuz gestorben, / hast zu Gottes Vaterhuld / Zutritt mir erworben.
3. Lehre mich, wie du, so still / und geduldig leiden, / und wenn es dein Rat einst will, / willig abzuscheiden. / Stärke mich, wenn ich einmal / sterbend zu dir flehe, / dass ich durch das Todestal / ohne Schrecken gehe.
4. Dank, o Jesu, Dank sei dir, / für dein schweres Leiden; / denn dadurch erwarbst du mir / deines Himmels Freuden. / Nunmehr weiß ich, dass im Tod / ich nicht ewig sterbe; / denn ich bin versöhnt mit Gott, / bin des Himmels Erbe.

Psalm 43 
1. Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk / und errette mich / von den falschen und bösen Leuten!
2. Denn du bist der Gott meiner Stärke: / Warum hast du mich verstoßen? / Warum muss ich so traurig gehen, / wenn mein Feind mich drängt?
3. Sende dein Licht und deine Wahrheit, / dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
4. dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, / und dir, Gott, auf der Harfe danke, / mein Gott.
5 Was betrübst du dich, meine Seele, / und bist so unruhig in mir? / Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, / dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. 
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Kollektengebet für Palmsonntag
Barmherziger, ewiger Gott, Du hast Deinen Sohn für uns alle am Kreuz dahingegeben. Gib, dass wir dies mit ganzem Herzen fassen und in der Kraft des Glaubens in keiner Anfechtung verzagen. Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Sonntagsevangelium: Markus 10,35-45
Der Einzug in Jerusalem
12. Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,
13. nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
14. Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9):
15. »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«
16. Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. 
17. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. 18. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: „Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.“

Predigt zu Hebräer 12,1-3
1. Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,
2. und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.
3. Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst. 

Liebe Gemeinde!
Wie bereits vor einer Woche, sind wir auch heute, am Palmsonntag, dazu eingeladen über ein Bibelwort aus dem Hebräerbrief nachzudenken; ein Brief dessen Schreiber anonym bleibt und dessen Adressaten, die „Hebräer“, nicht genau lokalisierbar sind. Die Situation von der der Briefschreiber ausgeht ist jene, dass diesen Adressaten Repressionen und Beleidigungen widerfahren sind, wobei sie aber standhaft im christlichen Glauben geblieben waren. Schön langsam aber scheinen gewisse Ermüdungserscheinungen aufzukommen: etliche gehen nicht mehr zu den Gottesdiensten und geben ihre Überzeugungen preis. Wir lesen im Hebräerbrief eine ganze Reihe von Ermahnungen, die an das Heilshandeln Christi erinnern, welches im Lichte der Verheißungen des Alten Testamentes dargestellt wird. Der unbekannte Schreiber scheint wohl ein genauer Kenner des jüdischen Glaubens und vor allem des Tempelkultes gewesen zu sein. Diesen Opferkult sieht er durch Jesus Christus als überwunden, bzw. erfüllt an, da Jesus als Hohepriester sich selber ein für allemal als Opfer dargebracht hat. Darum sind die Christen das neue Volk Gottes, denen die Verheißungen Gottes nun gelten. In Anlehnung an die Wüstenwanderung des Volkes Israel werden im Hebräerbrief die Christen als „wanderndes Gottesvolk“ angesehen. Der Alte Bund wird durch den neuen Bund endgültig abgelöst. 

Um die Adressaten des Briefes zu stärken und ihnen Mut zuzusprechen wird zunächst auf die vielen Glaubenszeugen verwiesen. Wenn es schon den Vätern und Müttern im Glauben wichtig war an ihren Überzeugungen fest zu halten, muss das umso mehr für diese Generation gelten. Das Bild der Wolke meint nicht nur die große Anzahl dieser Zeugen, sondern auch deren Geschlossenheit bzw. ihre Einheit. All diese vielen Menschen weisen auf den Einen hin. Die vielen vorangegangenen Zeugen machen Mut für geduldiges Laufen im Kampf. Wichtig für den Glauben ist das Wissen, dass diese Menschen in den schwierigen Situationen, mit welchen sie zu ihrer Zeit konfrontiert waren, sich bewährt haben. Dass in schwierigen Zeiten Einheit, Geduld und Bewährung gefragt sind, scheint wie für uns heute geschrieben zu sein.
Das zweite Bild ist jenes vom Wettkampf. Es wird oft in der spätantiken Philosophie oder im hellenistischen Judentum verwendet. Wir finden es auch im Neuen Testament; nicht nur hier, sondern z. B. auch bei Paulus (1. Korinther 9,24-27). Wer sich zum Kampf rüstet, der darf keinen unnötigen Ballast mit sich herumschleppen. Der Begriff „Last“ (griechisch: όγκος) kommt nur nur einmal im ganzen Neuen Testament an dieser Stelle (Hebräer 12,1) vor und hat eine ganze Facette von Bedeutungen: Weltverhaftetheit, Schwerfälligkeit, innere Hemmungen, Zweifel, pessimistische Gedanken, Sorgen, Kümmernisse usw.“  Das Bild von der Last wird durch jenes der umstrickenden Sünde ergänzt. Diese beiden Bilder ergänzen und interpretieren sich gegenseitig. In diesen Tagen haben wir auch schon öfters den Begriff „Kampf“ oder „Krieg“ gehört, wobei es kein konventioneller Krieg ist. Manche sprechen vom „biologischen“ Krieg. Ich würde sagen, dass – neben den vielen realen Problemen, die wir haben und die noch auf uns zukommen werden – der schwerste Kampf, wie so oft, der innere Kampf, der Kampf mit sich selber sein wird. 
Diesen Ballast ablegen oder die Last loswerden geschieht durch das, wozu der Briefschreiber auffordert: „aufsehen zu Jesus“ (Hebräer 12,2). Dieses Aufsehen hat eine Doppelfunktion: es ist ein Hinweis auf den nötigen Weitblick, zugleich aber auch der Blick auf die Ausweglosigkeit des Kreuzes. Die folgende christologische Aussage „Anfänger und Vollender des Glaubens“ fasst dann zusammen, was konzentrierter nicht gesagt werden kann. Sie bedeutet beides: 1) als Mensch ist ER von Anfang an seinen Weg in dieser Welt konsequent gegangen; ein Weg der mit der Geburt im Stall von Bethlehem begann und am Kreuz von Golgatha aufhörte (darum ist – nicht zufällig – das Evangelium von Jesu Einzug in Jerusalem, Hauptevangelium sowohl für den 1. Adventsonntag als auch und für den Palmsonntag); 2) als Gottes Sohn war er von Ewigkeit her dem Vater gehorsam und kam im Auftrag des Vaters in diese Welt. Nun sitzt er zur Rechten des Vaters und hat das vollbracht, was für Gott so wichtig war: die Erlösung seiner geliebten Menschenkinder.
Schließlich (Hebräer 12,3) wird nochmals die Bedeutung des Weges hervorgehoben, den ER gegangen ist, wiewohl er Widerspruch erduldete. Den Christen soll anhand jenes Weges, den Jesus gegangen ist, Mut erwachsen, ihren Weg in dieser Welt unbeirrt und getrost gehen. Verrückter Weise ist dies jetzt genau umgekehrt zu verstehen, im Sinne von unbeirrt und getrost zu Hause zu bleiben.

Die Adressaten des Hebräerbriefes waren müde geworden. Sie hatten Anfechtungen durchstehen müssen und waren durch mancherlei Verfolgungen gegangen; nun stehen sie vor der Frage, woran denn eigentlich das Regiment Gottes im Weltgeschehen abzulesen sei. Der Schreiber des Briefes hat sich auf die Fahne „Ermutigung“ geschrieben. Das brauchen wir heute genauso. Dass der Glaube matt wird und der Mut sinkt, kann uns in diesen Tagen genauso widerfahren. Daher ist es wichtig zu wissen, woher man die Ermutigung hernehmen kann und woher nicht. Wenn man Radio-, Fernsehen- oder Internetnachrichten sieht/hört, dann schwindet einem der Mut. Wenn man sich darauf besinnt, dass in (oder besser: trotz) all dem Gott seinen Weg mit seinen Menschenkindern geht und das in allem was geschieht sein Wille zur Erfüllung kommt, dann kann Mut und Hoffnung neu aufkeimen. Am Anfang der Karwoche werden wir ermahnt: „Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.“
Amen.

Gebet 
Gepriesen seist Du Herr Jesus Christus, der Du zu uns kommst im Namen des Herrn. Lass uns in dieser stillen Woche mit Dir, unserem Helfer und König, ziehen. Ziehe Du selbst ein in unsere Häuser und sammle unsere Herzen aus der Zerstreuung und aus den Sorgen dieser Welt, dass wir mit ganzem Ernst bedenken, was Du für uns getan hast, und der Versöhnung mit Gott teilhaftig werden.
Allmächtiger und gnädiger Gott: durch die überall neu gezogenen Grenzen, wird uns unsere eigene Begrenztheit in diesen Tagen aufs Neue schmerzhaft vor Augen geführt. Maßlosigkeit und Übermut, Gier und Neid, Hass und Missgunst haben den Menschen immer weiter auf Abwege geführt. Darum bitten wir Dich: nimm uns an Deine gütige Hand und zeige uns, welches Dein Weg für uns ist. 
Öffne unsere Augen, öffne unsre Herzen, öffne unsere Hände und lasst uns hinfinden zu dem Weg des Friedens: des Friedens mit unseren Mitgeschöpfen und des Friedens mit der Erde auf der wir leben.
Wir bitten Dich bereite aller Not ein Ende, dass wir Dich mit neuen Zungen loben und preisen. 


Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und gnädige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen





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