Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst, Sexagesimae, 7. Februar 2021, 

Duminica Sexagesima, 7 februarie 2021, serviciu divin

2021. február 7-en, Hatvanadvasárnap, Istentisztelet


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Wochenspruch – Hebräer 3,15:
Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.


Psalm 119 i. A.
89. HERR, dein Wort bleibt ewiglich, / so weit der Himmel reicht; 90. deine Wahrheit währet für und für. / Du hast die Erde fest gegründet, / und sie bleibt stehen. 91. Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute; / denn es muss dir alles dienen. 92. Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, / so wäre ich vergangen in meinem Elend. … 103. Dein Wort ist meinem Munde / süßer als Honig. 104. Dein Wort macht mich klug; / darum hasse ich alle falschen Wege. 105. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte / und ein Licht auf meinem Wege. 116. Erhalte mich nach deinem Wort, dass ich lebe, / und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.		
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


Markus 4,26 - 29
26. JESUS sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27. und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. 28. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29. Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.		Der Herr segne sein Wort an unsern Herzen!


Liebe Brüder und Schwestern!
Es gibt eine chinesische Geschichte, die von einem Reisbauern erzählt. Dieser war unzufrieden darüber, weil seine Reissetzlinge seiner Meinung nach viel zu langsam wachsen würden. Im Nachdenken darüber kam er auf eine Idee: um den Wachstumsprozess zu beschleunigen, zog er alle Setzlinge ein Stückchen in die Höhe. Daran arbeitete er einen ganzen Tag lang und als er abends erschöpft nach Hause kam, erklärte er auch noch seiner Frau ganz stolz davon, wie er den Reissetzlingen beim Wachsen geholfen habe. Als er jedoch am nächsten Tag aufs Feld ging, fand er die Bescherung: Alle Setzlinge waren verwelkt, da die Wurzeln keinen Halt mehr hatten. Nicht nur seine anstrengende Arbeit vom Vortag, war umsonst gewesen; die Idee an und für sich stellte sich als eine riesengroße Dummheit heraus, denn damit hatte er seine ganze Ernte eigenhändig zerstört. So dumm wie der Bauer aus dieser Geschichte kann man eigentlich gar nicht sein, mag man meinen; selbstverständlich weiß man, dass alles seine Zeit braucht, dass Entwicklungen einen gewissen Ablauf haben, dass Wachstum nicht auf Kommando stattfindet.
Wenn wir uns aber umschauen, stellen wir fest, dass – wenn auch nicht in so plumper Weise wie in der vorhin erwähnten Geschichte vom Reisbauern – der Mensch sehr wohl in die Natur und deren Abläufe eingreift. Die Techniken der heutigen Zeit sind sehr ausgefeimt, so dass nicht wenige davon – zumindest äußerlich – Erfolg haben. In der heutigen Zeit werden (nicht nur, aber vor allem) in Agrar- und Viehwirtschaft durch alle möglichen Praktiken Wachstumsprozesse beschleunigt oder Ergebnisse künstlich vergrößert (um nicht zu sagen: aufgeblasen). Das ein solches Unterfangen auch «Risiken und Nebenwirkungen» hat, das wird gerne übersehen, oder – und das ist eigentlich viel schlimmer – billigend in Kauf genommen. 
Jesus vergleicht die Wirksamkeit des Wortes Gottes mit einer ausgesäten bzw. aufgehenden und wachsenden Saat. Natur und Spiritualität sind zwei verschiedene Dinge. Und doch scheinen sie eines gemeinsam zu haben: (Vers 27b): „der Same geht auf und wächst – und der Mensch weiß nicht, wie.“ So wie in der Natur nichts forciert werden kann, ohne dass es „Risiken und Nebenwirkungen“ nach sich zieht, genau so ist es auch im geistlichen Bereich. Das Entscheidende – sowohl in der Natur, als auch im Spirituellen – bleibt unserem menschlichen Erkennungsvermögen verborgen; und das bei allem im Laufe der Jahrhunderte erworbenen menschlichen Wissen und bei allen Möglichkeiten verändernd einzuwirken. Der Mensch kann wohl auf vielerlei Weise in das Leben künstlich eingreifen, aber das Leben selber aus dem Nichts erschaffen kann er NICHT. Und so ist es auch im spirituellen Bereich: Gott bleibt in seinem Wirken an unserer Seele der Geheimnisvolle. Wir können uns bloß als Gehilfen zur Verbreitung seines Wortes zur Verfügung stellen. 
Wichtig ist Seinem Wort zu folgen, weil uns darin Gottes Reich offenbart wird. In der Erklärung zur dritten Bitte des «Vaterunser» schreibt Martin Luther im «Kleinen Katechismus»: „Das Reich Gottes kommt von selbst, ohne unser Gebet; wir bitten aber in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.“ Mit dieser Aussage schließt sich der Kreis zum Bild der selbstwachsenden Saat: so wie keimen, aufgehen und wachsen ein Prozess ist, der sich «Schritt für Schritt» „ereignet“ so ist es auch mit dem Reich Gottes in uns und bei uns. Das Paradoxon des Gleichnisses von der selbstwachsenden Saat finden wir auch hier vor, und zwar folgendermaßen: 1) unser Leben ist – wenn wir es richtig leben – eine dauernde spirituelle Weiterentwicklung, die wir aktiv betreiben müssen; 2) diese Weiterentwicklung geschieht aber – selbst wenn wir unsern Beitrag dazu haben – trotzdem „von selber“. 
Die eigentliche Kunst des Christenlebens ist, zu erkennen, wann Aktivität und wann Passivität gefragt ist. 1) Wann bin ich gefordert etwas tun, etwa zu „säen“ oder zu „ernten“? 2) Und wann ist es geradezu kontraproduktiv etwas tun (so wie der Reisbauer an den Setzlingen zog), wann muss ich einfach Gelassenheit an den Tag legen und gar nichts unternehmen, weil kein geringerer als Gott selber etwas für mich tut? Möge der allmächtige Gott uns die Weisheit schenken, dass wir diese Momente voneinander unterscheiden und dass wir, dann wenn wir „dran“ sind, unsere Bringschuld leisten. (Amen.)

Lasst uns beten:
Allmächtiger und gnädiger Gott, wir danken dir für dein Wort, das erfrischt und nachdenklich stimmt; für dein Wort das erfreut und ermahnt; für dein Wort das erleichtert und lehrt. Lass die Saat deines Wortes in uns Frucht tragen.
Wir bitten dich, befreie uns vor allem, was ein Hindernis dafür werden könnte, dass dein Reich auch zu uns komme. Gib uns Geisteskraft und Glaubensstärke, damit wir die Herausforderungen dieses Lebens zu meistern im Stande sind und überall wo es nötig ist helfend eingreifen. 
Schenke uns Hoffnung und Vertrauen, dass wir schon in dieser vergänglichen Welt deine Unvergänglichkeit mit den Augen der Seele schauen.						
Vater unser im Himmel / Geheiligt werde Dein Name / Dein Reich komme / Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute / Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigeren. / und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.


Segen:   Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist

Amen.




Es gilt das von der Kanzel gesprochen Wort!

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