Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg

NR. 32 (1/2018)

BIBELWORT ZUM GELEIT
2. Mose 32,7 – 14 

Der HERR sprach aber zu Mose: „Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben's angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat.“ Und der HERR sprach zu Mose:
„Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen.“ Mose aber flehte vor dem HERRN, seinem Gott, und sprach: „Ach HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig.“ Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.

Ieșirea 32,7 – 14

Atunci a zis Domnul către Moise: "Grăbește de te pogoară de aici, căci poporul tău, pe care l-ai scos din țara Egiptului, s-a răzvrătit. Curând s-au abătut de la calea pe care le-am poruncit-o, și-au făcut un vițel turnat și s-au închinat la el, aducându-i jertfe și zicând: "Iată, Israele, dumnezeul tău, care te-a scos din țara Egiptului!" Și a mai zis Domnul către Moise: "Eu Mă uit la poporul acesta și văd că este popor tare de cerbice; Lasă-Mă dar acum să se aprindă mânia Mea asupra lor, să-i pierd și să fac din tine un popor mare!" Moise însă a rugat pe Domnul Dumnezeul său și a zis: "Să nu se aprindă, Doamne, mânia Ta asupra poporului Tău, pe care l-ai scos din țara Egiptului cu putere mare și cu brațul Tău cel înalt, Ca nu cumva să zică Egiptenii: I-a dus la pieire, ca să-i ucidă în munți  și să-i șteargă de pe fala pământului. Întoarce-Ți iuțimea mâniei Tale, milostivește-Te și nu căuta la răutatea poporului Tău. Adu-ți aminte de Avraam, de Isaac și de Iacov, robii Tăi, cărora Te-ai jurat Tu pe Tine Însuți, zicând: Voi înmulți foarte tare neamul vostru, ca stelele cerului; și tot pământul acesta, de care v-am vorbit, îl voi da urmașilor voștri și-l vor stăpâni în veci!" Atunci a abătut Domnul pieirea ce zisese s-o aducă asupra poporului Său!

Liebe Gemeinde,
 
in den letzten Monaten gab es in der Politik in Europa weltweit immer wieder Gipfelgespräche. Gipfelgespräche der führenden Wirtschaftsnation, Gipfeltreffen zur Situation in Syrien, Gipfeltreffen der Diakonie in Deutschland mit VertreterInnen der Bundesregierung zur Abschiebepraxis nach Afghanistan, Gipfeltreffen zur Frage, wie soll es eigentlich mit Europa weitergehen. Was muss sich in Europa ändern, damit wir von einer Wirtschaftsunion auch zu einer Sozialunion werden. Es dürfen nicht mehr so viele Menschen, ganze Staaten auf der Strecke bleiben. Gespräche als Hoffnung, Gespräche, um Gewalt zu vermeiden. Gipfelgespräche sind immer dann fällig, wenn sich auf unteren Ebenen nichts mehr klären lässt. Ganz oben muss es angesiedelt sein, wenn ein echtes Scheitern der Beziehungen droht. Ein solches Gipfelgespräch möchte ich Ihnen heute schildern: Ein Scheitern zeichnet sich auch da ab. Eine Seite, die mächtige, tobt und fühlt sich verraten. Sie will nicht nur das gerade erst eingegangene Bündnis auflösen, sie will den Partner vernichten und sie hat die Möglichkeit dazu. Vorher kommt es zum Gipfeltreffen. Auf dem Gipfel des Berges Sinai treffen sich Gott und Mose zum Gespräch. Ein Mensch redet mit Gott – Gebet könnte man dieses Gipfelgespräch auch nennen. Und es steht alles auf dem Spiel: die Erwählung Israels und damit auch die Treue und Verlässlichkeit Gottes. Kaum ein Text in der Bibel ist so voller Zorn, Verletztheit und Menschlichkeit Gottes (siehe oben: 2. Mose 32,7 – 14).
 
Die Geschichte aus dem 2. Buch Mose, die uns heute beschäftigt, wirft einen Schatten auf Gottes Segen. Der Bund zwischen Gott und seinem Volk ist gefährdet, er ist nahe dran zu zerreißen. Nur einige Kapitel später nach der Verheißung unter dem Sternenhimmel. Nur einige Generationen nach Abraham. Das Volk Israel steht in der Wüste und fühlt sich von Moses und von Gott verlassen. Er ist nicht mehr da, denken sie. Wir wissen nicht, was mit ihm geschehen ist. Er wird wohl nicht zurückkommen. Wir sind hier verlassen, in der Wüste, mutterseelenallein. Sie fühlen sich von Gott verlassen und wenden sich ganz und gar von Gott ab. Von Gott, der sie aus Ägypten geführt hat. Sie machen sich ein goldenes Kalb. Das soll ab jetzt ihr Gott sein. Er ist viel besser als der andere, denn er kann sie nicht verlassen. Diesen Gott können sie sehen. Er ist sogar schön anzusehen, aus Gold. Er lässt sich berühren. Sie können um ihn herum tanzen.
Die Verlassenheit in der Wüste ist keine damalige, einmalige Erfahrung, liebe Gemeinde. Es ist eine Menschheitserfahrung. Ein Mensch fühlt sich von Gott und Menschen verlassen, immer wieder. Er steht wie in der Wüste, mutterseelenallein. Das kann auch in einer Stadt geschehen. Das kann auch neben anderen Menschen geschehen. Die Verlassenheit kann viele Ursachen haben. Verunsicherung und Orientierungslosigkeit folgen. Der Mensch fühlt sich von Gott verlassen und wendet sich ganz und gar von Gott ab. Andere Götter werden gemacht oder gesucht, die schön anzusehen sind. Halt fürs Leben wird in Geld gesucht oder in Menschen, die angehimmelt werden. Ein goldenes Kalb – bezahlbare Hoffnungen zum Anfassen. Hier treffen wir modernen Menschen uns mit dem Volk Israel am Sinai. Die Verheißung, die Gott unter dem Sternenhimmel gegeben hat, verblasst, verdunkelt, wird vergessen. Was ist aus dem einst so großen Volk geworden? Ein Schatten fällt auf Gottes Segen. Der Bund zwischen Gott und seinem Volk ist in Gefahr, er ist nahe dran zu zerreißen. Der Mensch hat den Bund aufgekündigt.
An dieser Stelle setzt unser Predigttext ein. Wir hören Gottes Reaktion auf die Abkehr der Menschen. Zum einen ist das Gespräch zwischen Gott und Moses ein wenig lustig. Gott verhält sich Moses gegenüber wie ein eingeschnappter Ehemann oder eine Ehefrau. Das ist dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast. So als wolle er sagen: – ich habe damit nichts zu tun und hatte eigentlich auch noch nie etwas damit zu tun. Dieses Volk ist dein Volk, Mose. Er schiebt die Verantwortung Moses zu. Zum anderen ist das Gespräch bitterernst. Es trieft von Vorwürfen und Anschuldigungen, von Zorn und Wut. Hier begegnet uns ein Gott, der beleidigt ist, zornig, empört, nachtragend, der sich verstoßen fühlt, der richten will, strafen und schaden. Hier begegnet uns ein menschlicher Gott. Gott ist stinksauer, dass sich das Volk einen anderen Gott sucht, sich von ihm abwendet. Das Hochzeitsfest ist sozusagen kaum vorbei, und schon sucht sich die Braut einen anderen. Einen, der greifbarer ist. Und schön glänzen tut er auch noch. Das Volk tanzt und Gott tobt. Unten das Goldene Kalb, oben der verlassene  und verletzte Gott. Fast könnte man sagen: Szenen einer Ehe. Und es geht um nichts weniger als Trennung. Mose und Gott streiten – fast nach dem Motto: deine Kinder, meine Kinder. Dein Volk, mein Volk. „Dein Volk, das du, Mose, aus Ägyptenland geführt hast...“ – so sagt Gott. „Dein Volk, das du, Gott, mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast.“– so entgegnet Mose. Das halsstarrige Volk wird hin- und hergeschoben. Und Gott geht sogar noch weiter: Wenn die Israeliten mich verlassen, nehme ich doch den, der bleibt: Mose. „Sie will ich vertilgen, dich zum großen Volk machen.“ Menschen haben dieses Gespräch aufgeschrieben und sich selbst in Gott hineinversetzt. Deshalb redet er so menschlich. Er nimmt die Rolle eines geschädigten Menschen ein, der Entschädigung, Wiedergutmachung und Strafe fordert und dann mit dem Schuldigen nie wieder etwas zu tun haben möchte. Ich will mit diesen Chaoten nichts mehr zu tun haben, da ist Hopfen und Malz verloren, da lohnt sich mein Einsatz nicht mehr – so enttäuscht ist Gott, so wütend ist er.
Mit dem Zorn Gottes haben Menschen über Jahrhunderte hinweg anderen Menschen gedroht, sie eingeschüchtert und Hoffnung geraubt. Haben Stellen wie diese zitiert, um sich selber groß und andere klein zu machen. Und Menschen haben Gott den Rücken gekehrt, weil sie mit einem beleidigten, nachtragenden, empörten Gott, der wie ein gekränkter Nachbar zetert, nichts anfangen können. Ich glaube, das Gottesbild des zornigen Gottes steht für die Einsicht der Menschen, dass die Abkehr von Gott Konsequenzen hat. Der Zorn Gottes ist ein Bild für die Angst. Ist Warnung vor einem Leben ohne Gott. Menschen haben erfahren, dass die Abkehr von Gott und die Anbetung goldener Kälber nicht richtig ist. Moses ist in diesem Dialog derjenige, der das menschliche Gottesbild wieder zurecht rückt. Mose fleht Gott an. Das hebräische Wort für „flehen“ heißt wörtlich sogar: durch Streicheln weich machen. Mit Streicheln und listigen Argumenten hält Mose Fürbitte für sein Volk: Willst du, dass die Ägypter Recht behalten und sich ins Fäustchen lachen über den Gott, dessen Volk in der Wüste stirbt? So sagt er. Und dann geht er sogar noch weiter: Mose erinnert Gott an sein eigenes Versprechen. Gedenke deiner Erwählung! Du hast doch Abraham versprochen, seine Nachkommen zu segnen und ins verheißene Land der Freiheit zu führen. Halte dich an dein eigenes Wort! So reden die beiden da oben auf dem Gipfel. Und solange sie reden, ist das Tischtuch noch nicht zerschnitten. Im Endeffekt rettet Mose sein Volk und er rettet Gott davor, seine Zusage und Erwählung zu brechen. Er erinnert Gott an seine Göttlichkeit. Er erinnert ihn daran, dass Gott anders als ein Mensch reagiert, eben nicht empört und nachtragend, sondern treu und verlässlich. Gott steht zu seinen Verheißungen. Die Verheißungen, die er Abraham und Isaak gegeben hat, sind ungebrochen. Gott hält Bund und Treue ewiglich und gibt nicht preis das Werk seiner Hände. Das weiß Moses und es wissen diejenigen, die diesen Dialog aufgeschrieben haben. Deshalb
 
heißt es am Ende: Da reute es den HERRN, dass er seinem Volk Unheil angedroht hatte. Was für ein Satz über die Macht des Gebetes. Gott lässt sich bitten, er lässt sich erweichen, er lässt sich streicheln. Und er kehrt um.
Das kommt uns sehr menschlich von Gott vor. Ein Gott, der seine Pläne mal eben ändert, hat der überhaupt einen Plan? Aber genau genommen ist diese „Umkehr“ eben nicht menschlich, sondern göttlich. Im Alten Testament wird 30 mal von Gott gesagt, dass ihn etwas gereut, von Menschen nur 7 mal. Menschen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie nicht bereuen, sondern halsstarrig sind. Gott dagegen lässt sich erweichen. Das Licht der Verheißung scheint wieder auf. Der Schatten von Gottes Segen ist gewichen. Der Bund ist nicht zerrissen. Gott hält an ihm fest. Gott hält an jedem einzelnen Menschen fest, auch wenn sich die Lage eines ganzen Volkes im Laufe der Jahrhunderte verändert. Auch dort, wo wir als Bürgerinnen und Bürger aus Bremen, als Schäßburgerinnen und Schäßburger, als Deutsche, als Siebenbürgen-Sachsen in einem vereinten Europa eine andere Rolle spielen als früher oder weniger geworden sind. Vermutlich wird in wenigen Jahrzehnten Europa insgesamt im Vergleich zu Afrika weniger bedeutend sein als heute. Europa wird älter, in Afrika wächst eine große, junge Bevölkerung heran. Was wird das für uns bedeuten? Auch unter den sich verändernden und uns manchmal auch belastenden Entwicklungen bekennt sich Gott zu uns. So, wie damals zum Volk Israel und heute in seinem Sohn Jesus Christus zu all denen, die seinen Namen anrufen. Die Menschen dürfen zu ihm kommen, dürfen zu ihm zurückkehren, dürfen sich Gehör verschaffen.
Beten lohnt sich also. Betet! Weil das Wohl und Wehe der Menschen auf dem Spiele steht. Betet, weil der gnädige und barmherzige Gott sich vergessen könnte vor Zorn. Betet, weil Gott Menschen braucht, die ihn beim Wort nehmen, bei seiner Ehre packen und seinen Stolz reizen! Aber dürfen wir das? Hat Jesus diesem aufsässigen, kämpferischen Beten des Mose gegenüber uns im Vaterunser nicht auf ganz andere Standards festgelegt? Muss nicht am Anfang wie am Ende jedes christlichen Gebets die Bitte stehen: Dein Wille geschehe? Natürlich dürfen wir das, denn unsere Beziehung mit Gott ist schließlich eine Liebesgeschichte. Wir sprechen so schnell davon, dass Gott uns Menschen liebt, und vergessen, dass das eine emotionale Angelegenheit ist. Weil Gott uns Menschen liebt, ist ihm auch nicht egal, was wir machen, wie wir mit ihm umgehen oder auch wie wir mit ihm reden. Ja: Gott kann ganz offensichtlich auch zornig werden. Aber glücklicherweise – und das zeigt die Geschichte – nicht gnadenlos zornig. Gnade – darum ringt das Gebet. Wir kriege ich diesen Gott gnädig gestimmt? – so fragt sich Mose. Wie kriege ich einen gnädigen Gott? – so fragte sich Luther. Wie werde ich selber gnädig? – so frage ich mich oft, gnädig /mir gegenüber, anderen gegenüber, auch Gott gegenüber, der nicht so will, wie ich möchte. Doch da ringe auch ich mit diesem Gott, der scheinbar macht, was er will, der zulässt, was unzumutbar ist - auch heute noch in Syrien, in Afghanistan, Nordkorea oder bei den viel zu vielen geflüchteten Menschen, die im Mittelmeer sterben. Manchmal ringe ich mit diesem Gott, der nicht zu greifen ist, wenn man ihn braucht – immer wieder auch für mich nicht. Und dem man genau das alles im Gebet sagen kann.
Nur ein Gebet weit entfernt ist der ferne, nahe Gott. Und es lohnt sich, mit ihm um Gnade zu ringen. Genau darum muss es uns beim Beten gehen, höre ich Mose sagen: Gott und uns selbst daran zu erinnern, dass sein Wille ganz etwas anderes ist als der Lauf der Dinge, der von blinden Zufällen, dem Willen von Menschen und den Auswirkungen ihrer Schuld gesteuert wird. Gott will das nicht, dass in Syrien Menschen anderen Menschen Unfassbares antun. Gott will das nicht, dass Menschen, die vor Angst, Not und Gewalt fliehen, im Mittelmeer ertrinken, er will das nicht, dass seine Menschen, seine Geschöpfe sich zu Feinden werden. Gott will das nicht, dass wir so miteinander umgehen, als wären wir keine Geschwister im Herrn, sondern als wären wir nur darauf bedacht, zu herrschen, mit welchen Worten und Mitteln auch immer. Unser Gott lässt sich hören mit einer unbändigen Leidenschaft für seine Schöpfung und seine Menschen. Daran will er von uns erinnert werden und manchmal müssen wir uns selbst im Umgang mit anderen daran erinnern: Gottes erstes Wort der Liebe soll und wird auch sein letztes sein und all dem ein Ende machen, was wir ihm aus Kleinglauben, aus Sicherheitswahn und Gewaltbereitschaft in den Weg gestellt haben.
„Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.“ Wer will ihm verdenken, dass die Halsstarrigkeit der Menschen ihn bis aufs Blut reizt und er keine Lust mehr hat zu seiner Barmherzigkeit? Doch er ist – anders als unsere Großen bei den Spitzengesprächen, die sich ein „Reuen“ nicht leisten können – groß genug, um sich eines Besseren zu besinnen. Weil da Beter sind. Weil da Menschen sind, die Gott noch auf ihrer Rechnung haben und die wissen, worauf er ansprechbar ist. Das heißt wohl Glaube: mit Gott das Gespräch nicht abbrechen lassen, auch wenn man nie weiß, wie alles ausgeht, und Gott trotzdem vertraut. Und trotzdem nicht aufhört, ihm in den Ohren zu liegen – und auf Gnade zu hoffen; ihm in den Ohren zu liegen – auch mit dem, was uns umtreibt in Schäßburg, in Bremen, in Europa für die ganze Welt.
Dass wir noch leben, noch glauben, noch hoffen können, das haben wir auch Menschen zu verdanken, die ihre Hände falten und ihren Mund auftun vor Gott. Amen

Landesdiakoniepfarrer Manfred Meyer, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes e. V. Bremen
Diese Predigt wurde am Sonntag Rogate, dem 21. Mai 2017 in der Klosterkirche gehalten.

PFARRAMTLICHER JAHRESBERICHT 2017
von Hans Bruno Fröhlich, Stadtpfarrer
1) 	Ausweis über die Gemeindegliederzahl




2) 	Kirchliche Handlungen („Kasualien“)

3)	Gottesdienste und geistliche Veranstaltungen
Das Gottesdienstprotokoll enthält 72 Eintragungen.
Es gab 59 Hauptgottesdienste mit einer durchschnittlichen Beteiligung von 56,23 Gottesdienstbesuchern (gestiegen im Vergleich zum Vorjahr → 52,64).
18 mal (so oft, wie noch nie in den Jahren nach der Wende 1989) wurde das Heilige Abendmahl gefeiert.  Wenn man den Festgottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum mit ca. 300 Abendmahlsgästen in die statistische
 
Berechnung hinein nimmt, dann lag die durchschnittliche Beteiligung bei 57,62, ansonsten bei 41,46, wobei die Abendmahlsteilnehmer aus dem Pflegenest mitgezählt sind (Vergleich zum vorigen Jahr → 43,47 Teilnehmer, also leicht gesunken).
Die andern gottesdienstlichen Veranstaltungen waren die folgenden:
•	2 Metten; das ist der Frühgottesdienst am Ostermorgen in der Bergkirche (angeboten von Pfr. Johannes Halmen) und der Nachtgottesdienst am Heiligen Abend;
•	8 Andachten bzw. Vespern; 5 gab es am Siechhof jeweils am Mittwoch, von denen 3 in der Passions- und 2 in der Adventszeit gehalten wurden und dann noch 3, jeweils am Samstag vor der Konfirmandenprüfung (22. April), am Reformationstag (31. Oktober) und am Altjahresabend (31. Dezember). Die durchschnittliche Beteiligung am Siechhof lag bei 16 (Vergleich zum vorigen Jahr – 16);
•	Ökumenische Gottesdienste (siehe Pkt. 9);
•	Schuleröffnungsgottesdienst in der Klosterkirche am Montag, den 11.09.2017.
Die bestbesuchten geistlichen Veranstaltungen waren – neben dem traditioneller Weise gut besuchten Hauptgottesdienst am Ostersonntag und dem Nachtgottesdienst am Heiligen Abend – der Festgottesdienst zum 500. Reformationsjubiläum, der Schuleröffnungsgottesdienst und dann natürlich die ökumenischen Gottesdienste.
4)	Konfirmanden- und Religionsunterricht
Im Schuljahr 2016 / 2017 wurden 6 Konfirmanden für die Konfirmation vorbereitet. Einer von ihnen konnte wegen seiner Behinderung nicht am Unterricht teilnehmen. Ein Konfirmand stammte aus Keisd, wurde aber auf Wunsch der Familie hier konfirmiert, da er auch hier zur Schule geht. Am Samstag, dem 22. April, fand die Prüfung in einem Abendgottesdienst statt (zum dritten mal im Betsaal) und am Sonntag Quasimodogeniti, dem 23. April, wurden die Konfirmanden eingesegnet und empfingen ihr erstes Abendmahl. Ab Herbst 2017 bereitet sich eine neue



Gruppe von 4 Konfirmanden vor (3 aus Schäßburg, eine aus Neudorf, die hier nur die Prüfung ablegt), welche voraussichtlich am 7./8. April 2018 stattfinden wird.



In der Grundschule halten die Lehrerinnen die Religionsstunden. Für die evangelischen Kinder der Oberstufe (Klassen 5 – 8) bietet Pfr. Johannes Halmen in der Schulzeit, jeweils am Donnerstag Religionsstunde in den Räumen des Bezirkskonsistoriums an.
5)	Kinderstunde
An drei Sonntagen während des Hauptgottesdienstes wurde von Presbyterin (und Kindergärtnerin) Gabriela Oşan und Pfarrfrau (und Lehrerin) Karola Fröhlich im Presbyterialsaal Kinderstunde mit 4 bis 5 Teilnehmern zu biblischen Themen angeboten, wie folgt:



•	26. Februar (Estomihi) – „Jesus heilt den Gelähmten“;
•	1. Oktober (16. Sonntag n. Trinitatis) – „Gebetswürfel“;
•	19. November (Vorletzter Sonntag  im  Kirchenjahr)  – „Der heilige Martin“.

6)	Kirchenmusik (Daten aus dem Gottesdienstprotokoll und von Kantor Theo Halmen)
Der Kirchenchor sang 46 mal in den Gottesdiensten; 2 mal gab es Einlagen von Bläsern.



In der Sommerkonzertreihe jeweils am Freitag um 18 Uhr gab es 19 Konzerte.
Das Kirchenchortreffen fand in diesem Jahr anlässlich des Kirchentags in Kronstadt (29. September – 1. Oktober) statt. Ein Projektchor bestehend aus 150 Choristen aus unserer ganze Landeskirche mit Beteiligung des Kinder- und Jugendensembles der Evangelischen Kirche A. B. Kronstadt „Canzonetta“ unter der Leitung von Dr. Steffen Schlandt bot in der Schwarzen Kirche die Uraufführung der »Messe von Kronstadt«.
Am Reformationstag (31.10.2017) gab es eine Ausfahrt des Kirchenchores nach Suceava.
7)	Frauenarbeit (von Frau Prof. Ulrike Lück, Beauftragte für Frauenarbeit)
Am 3. März des vergangenen Jahres nahmen Frauen unserer Gemeinde am Weltgebetstag (der Frauen), der in Schäßburg ökumenisch gefeiert wird, teil.
Im Mai 2017 bot Frau Ortrun Fabini in Michelsberg im Rahmen der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A.
B. in Rumänien eine Werkstatt für Seidenmalerei für Jugendliche an. Sie war gut besucht, und die Teilnehmerinnen waren mit Eifer dabei.
Für die (älteren) Frauen folgte dann im September 2017 ebenfalls in Michelsberg eine weitere Werkstatt für Seidenmalerei, diesmal eintägig. Da dies doch leicht stressig wurde, wird diese Werkstatt künftig wieder zweitägig stattfinden.
Im Oktober 2017 nahm Frau Emma Machat an einer Seniorenfreizeit teil, wo sie die Teilnehmerinnen anleitete, Lutherrosen künstlerisch auf Holzteller zu malen.
Und im November bastelte Frau Ortrun Fabini – wie jedes Jahr vor der Adventszeit – mit interessierten Gemeindemitgliedern sehr erfolgreich Strohsterne.

8)	Seniorenveranstaltungen
Wie auch in den vergangenen Jahren wurden in der Kantine der Alten Mädchenschule zwei  Seniorentreffen vom Presbyterium organisiert. Ziel dieser Veranstaltungen ist, unsere älteren mitunter vereinsamten Gemeindeglieder für ein paar Stunden aus ihrem Alltag heraus zu holen. Das erste Treffen fand im Frühjahr (30. Mai) statt und das andere im Herbst (25. Oktober). Wie schon seit einigen Jahren erprobt, sorgte unser Kantor Theo Halmen für gute Stimmung.

9)	Ökumene
Es gab folgende ökumenische Gottesdienste:
•	»Ökumenische Gebetswoche« in den sechs historischen Kirchen, vom 23. bis 28. Januar, täglich 16°° Uhr; am Freitag, dem 27. Januar 2017, fand der Ökumenische Gottesdienst im Betsaal der Klosterkirche statt;
•	»Weltgebetstag der Frauen« am Freitag, dem 3. März 2017, in der Unitarischen Kirche;
•	Ökumenischer Abendmahlsgottesdienst zur Feier des 500. Reformationsjubiläums mit der reformierten Gemeinde am Sonntag, dem 5. November 2017, 1730 Uhr. Der Gottesdienst wurde von den 3 Bischöfen Kató Béla (ref.), Adorjáni Dezső (ev.-luth.) und Reinhart Guib (ev. A. B.) gestaltet (ausführlich wurde darüber in der vergangenen Ausgabe des Gemeindebriefes berichtet);
•	Adventkerzenmarsch am 2. Adventsonntag, dem 10. Dezember, ausgehend vom Betsaal der Klosterkirche, Rathaus, Katholische Kirche, Bergkirche, „House on the Rock“ (organisiert von der VERITAS-Stiftung).

10)	 Öffentlichkeitsarbeit
Unsere Webseite www. https://ev-kirche-schaessburg.ro oder https://ev-kirche-schaessburg.eu wird nach wie vor von Herrn Matthias Schenkel / Heidelberg professionell betreut.
Im vergangenen Jahr wurde der Gemeindebrief zweimal herausgegeben.
Der im Auftrag des staatlichen Fernsehen TVR 2 von Regisseur Cristian Amza gedrehte Dokumentarfilm über die Deportation („Deportații“) wurde mehrere Male ausgestrahlt, so am 3. Dezember auf TVR 3 und am 9. Dezember auf TVR 2 (ausführliches Interview mit der Zeitzeugin, Frau W. Tornea, sowie Kurator D. Zikeli, Stpfr.
B. Fröhlich und Dr. N. Teșculǎ).
11)	Nächstendienst (von Erika Duma, Diakoniebeauftragte)
Auch im Jahr 2017 war das Pflegenest voll ausgelastet mit insgesamt 9 betreuten Personen (8 Frauen, 1 Mann). Leider gab es insgesamt 6 Todesfälle; zwei davon waren bei uns in Langzeitpflege (G. V. für 11 und A. F. für 7 Jahre). In den anderen Fällen handelte es sich um todkranke Personen, die bei uns nur für kurze Zeit Aufnahme fanden.
Ambulant betreut wurden 5 Personen, wobei hier der erschütternde Fall von A. K. zu erwähnen ist: Frau K. hatte ein Kind mit körperlicher und geistiger Behinderung. Zweimal die Woche wurde das Kind aus Trappold zur Reha nach Weißkirch gebracht. Dreimal musste es nach Neumarkt in Krankenhaus gebracht werden. Leider gab es keine Überlebenschancen: das Kind verstarb im Mai 2017. Ebenfalls erwähnenswert ist der Fall von M. K, die ambulant betreut wurde und schließlich im Februar 2017 verstarb. Hausbesuche mit Lebensmittelpaketen werden 4 bis 5 mal im Jahr bei I. S. und A. S. (Groß-Alisch), A. T. (Peschendorf) und K. S. sowie Z. G. (Schäßburg) abgestattet.
Seitens der Diakoniestation wird auch das Ausfahren von „Essen auf Rädern“ besorgt. Täglich werden zwischen 20 und 24 Portionen ausgefahren, von denen 8 ins Pflegenest kommen. Die Mahlzeiten werden vom Catering- Service „Four Seasons“ (Kantine der Alten Mädchenschule) bereitgestellt. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass der Sozialfall M. B. das Essen 5 Monate kostenlos bekommen hat.
12) Verwaltung (von Dieter König, Verwalter)
Es ist leider so, dass die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die Vielzahl von neuen Gesetzgebungen und die ständigen Gesetzänderungen aus der letzten Zeit, unsere Arbeit nicht erleichtern, sondern im Gegenteil zusätzlich belasten. Diese Umstände in einem Schäßburg als UNESCO Weltkulturerbe prägen die operative Verwaltungsarbeit im Rahmen unserer Kirchengemeinde ganz besonders. Dabei geht es immer wieder um befriedigende Lösungen für Pflege, Nutzung und Erhaltung des Gemeindeeigentums zu erzielen. Die funktionelle Existenz unserer schrumpfenden Gemeinde,
die Verantwortung für das historische, kulturelle Erbe unserer Vorgänger, diese einmaligen Werte, bedeuten für die Verwaltung einen zunehmenden Aufwand. Unter diesen Umständen wurden im Laufe des Jahres 2017 eine Vielzahl von Aufgaben verwaltungstechnischer Natur bewältigt. Darunter wurden auch wichtige Reparatur- und Baumaßnahmen an kirchlichen Immobilien und Einrichtungen vorgenommen.
Davon eine kurze Auflistung der wichtigsten Handlungen:



•	Der Seilerturm am Bergfriedhof wurde restauriert und strahlt wieder in seiner alten Würde. Die historischen Dachziegel wurden von der Schäßburger Ziegelfabrik “SICERAM“ gespendet.
•	Auf dem Friedhofsgelände und in der umliegenden Nachbarschaft des J. Haltrich Gymnasiums wurden die alten gefährlichen Bäume zugeschnitten oder gefällt.
•	In einer zweiten Etappe wurden in diesem Jahr die Reparatur- und Baumaßnahmen an unserer kirchlichen Immobilie am Umweg Nr. 3 fortgesetzt. In einer ersten Etappe wurde 2016 das Dach erneuert. 2017 wurden die Hausfassaden und im Innenhof die Treppen und die Stützmauer saniert. Nach Abschluss dieser Arbeiten, prangt dieses alte Haus wieder in seiner ehemaligen Schönheit.
•	Das sogenannte Haus des Organisten (Schulgasse Nr.2), erhielt auch wieder ein würdiges Aussehen. Dach, Hausfassaden und Zaun wurden neu hergerichtet.
•	Der Friedhof am Siechhof erhielt ein neues Eingangstor.
•	KLOSTERKIRCHE: Es sind nun 2 Jahre vergangen, seit der Vertrag mit dem Architekturbüro „Credo Design SRL“ für die Renovierungsarbeiten an der Klosterkirche unterzeichnet wurde. Leider lässt das Kulturministerium mit seinen Genehmigungen noch immer auf sich warten. Doch in der Zwischenzeit haben wir folgende Maßnahmen unternommen: der „Betsaal“, der ehemalige „Konfirmandensaal“, der Kreuzgang und die Sakristei wurden gründlich saniert. Die Gasinstallation wurde von Grund auf erneuert. Elektrische Installation und Alarmanlage für die Teppiche wurden erneuert. Die Restaurierungsarbeiten an der „Rieger- Orgel“ und der „Binder- Orgel“ sind angelaufen. Nach Abschluss der Arbeiten an den beiden Orgeln soll die
„Binder-Orgel“ aus der Siechhofkirche im Betsaal der Klosterkirche aufgestellt werden.
•	Im Kindergarten am „Hämchen“ wurden Reparaturen an der Zimmerdecke, am Dach und an den Regenrinnen vorgenommen.
•	Für die Sicherheit unserer Gebäude und auch im Sinne der gesetzlichen Vorschriften, wurde für Kontrolle und Wartung der Blitzableiter, Feuerlöscher, Alarmanlagen und Heizanlagen gesorgt.
•	Auch in diesem Jahr 2017 wurden Mietverträge für Gemeindegut (Immobilien, Räumlichkeiten, Grundbesitz) ausgearbeitet und aufgesetzt.
•	Im Rahmen des Gemeindelebens hatte die Verwaltung auch dieses Jahr einen bedeutenden Beitrag bei den verschiedenen kirchlichen Ereignissen wie: Osteraktion, Seniorentreffen, Sommertreffen der Nachbarschaften, Besuche von Delegationen u.v.m.
•	Dank intensiver gemeinsamer Bemühungen, dank der finanziellen Unterstützung seitens der verschiedenen Spender konnte unsere Diakonische Einrichtung „Pflegenest“ ihre soziale Tätigkeit weiterführen. Diese gemeindeeigene kirchliche Einrichtung bleibt auch in Zukunft eine der bedeutendsten und schwierigsten Aufgaben. Als Abschluss möchte ich ein Wort des Dankes zum Ausdruck bringen, gerichtet an alle Spender, an alle ehrenamtlichen und freien Einsätze, ohne deren Mitwirkung vieles gar nicht möglich gewesen wäre.

 13) Erwähnenswertes
Das Jahr 2017 stand ganz im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Folgende Veranstaltungen – die von unserer Gemeinde mitausgetragen wurden oder wo Stpfr. Fröhlich mit einem Vortrag beteiligt war – gab es:
a.	Zunächst sei die Landesphase der Deutsch-Olympiade zu erwähnen, die vom 18. – 21. April 2017 in Schäßburg stattfand. Es ist bemerkenswert, dass das Unterrichtsministerium Interesse an dem Thema „Reformation“ bekundet hat und in diesem Zusammenhang Stpfr. Fröhlich um einen Vortrag („Reformation und Schulordnung“) zu diesem Thema anforderte. Auch wurde den Kindern ein Ausflug nach Malmkrog angeboten. Die Eröffnung dieser Veranstaltung fand auf Einladung von Stpfr. Fröhlich in der Klosterkirche statt. Es nahmen ca. 150 Schülerinnen und Schüler aus allen auf Deutsch unterrichtenden Schulen Rumäniens statt (die „Bildungselite“ von morgen).
b.	Über Pfingsten (31. Mai – 5. Juni) weilte eine Delegation der Kirchengemeinde Schäßburg in Bremen (Erika Duma, Nagy Zsuzsanna, Günther Müller, Bruno Fröhlich). Die Bremische Evangelische Kirche und deren Kirchengemeinden hatten ein „ökumenisches Pfingstfest“ ausgerufen und ihre ökumenischen Partner nach Bremen eingeladen, um über das Thema „Kirche in unterschiedlichen Zivilgesellschaften der Welt beginnend von der Reformation bis heute“ nachzudenken. So trafen sich Christen aus Togo, Ghana, USA, Lettland, Rumänien u. a. Stpfr. Fröhlich hielt einen Vortrag zum Thema „Die Reformation in Siebenbürgen und die gesellschaftliche, politische und religiöse Situation in Rumänien – Paradigma für Südosteuropa oder Sonderfall?“ und predigte in der historischen Kirche „Unser Lieben Frauen“.
c.	Die Deutschen Kulturtage fanden vom 9. bis 11. Juni 2017 statt und standen ebenfalls im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Es referierten Thomas Şindilariu (Vorstellung der Ausstellung des Deutschen Kulturforums Östliches Europa), Prof. Dr. Hermann Pitters (Reformation in Schäßburg) und Stpfr. Fröhlich („Reformation und Ökumene – Ein zeitgemäßer Blick auf das reformatorische Erbe?“).
d.	Am Wochenende 28./29. Oktober fand der Lehrertag in Mühlbach statt. Stpfr. Fröhlich hielt einen Vortrag zum Thema: „Reformationsjubiläum: Ein Anlass, die Reformation und ihre Folgen nochmals neu zu bedenken mit besonderem Blick auf die Schule“.
e.	Das Reformationsfest wurde dann am 5. November gemeinsam mit Reformierten und den ungarischen Lutheranern in einem Festgottesdienst gefeiert (1730 Uhr); die Bischöfe Kató Béla (ref.), Adorjáni Dezsö (ev.- luth.) und Reinhard Guib (ev. A.B.) waren zugegen. Vorher (1600 Uhr) wurde zu diesem Anlass im Rahmen der Veranstaltung der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien „12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ ein Bäumchen der einheimischen Sorte »Batul« im Predigergarten gepflanzt, u. zw. in Erinnerung an das
„Schäßburger Religionsgespräch“ von 1538, welches in der Kapelle stattfand, wovon heute nur noch die Außenmauer steht. Ein ausführlicher Bericht mit Predigten und Ansprachen gibt es in der vorhergehenden Ausgabe des Gemeindebriefs (Nr. 31).
Weiterhin erwähnenswert aus dem Jahr 2017 ist folgendes:
Im Januar wurden die beiden Immobilien „Alte Jungenschule“ (AGRO) und „Alte Mädchenschule“ (MIU) an das Bischofsamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche (unsere ungarische Schwesterkirche) veräußert. Damit sind wir eine große Sorge losgeworden, da der Vertrag für die Jungenschule im August 2016 vom Bürgermeisteramt kurzfristig gekündigt worden war und die Mädchenschule schon seit 10 Jahren keiner Zweckbestimmung zugeführt werden konnte.
Am 22. März feierten Pfr. Ulf Ziegler und Stpfr. Fröhlich im Rahmen einer Pastoralkonferenz, zu der auch die Gemeinde eingeladen war, ihr 20. Ordinationsjubiläum. Altbischof D. Dr. Christoph Klein hielt ein Referat zum Thema: „Das Amtsverständnis von seinen Anfängen bis zur Gegenwart aus lutherischer Perspektive und im ökumenischen Dialog“.
Am 25. März und am 21. Oktober hielt die HOG Schäßburg ihre Vorstandssitzungen ab. Im März nahmen Dieter König und Stpfr. Fröhlich daran teil; im Oktober nur Stpfr. Fröhlich.
Zwischen dem 24. und dem 27. August weilten Frau Wiebke Davids von Arbeitsstelle für Supervision und Gemeindeberatung der Bremischen Evangelischen Kirche und Pastor Manfred Meyer vom Diakonischen Werk Bremen hier. In 2 ½ arbeitsintensiven Tagen wurden mit einem Teil des Presbyteriums und leitenden Angestellten darüber nachgedacht, wie unsere Gemeindearbeit weitergehen soll. Gleich im Anschluss wird darüber ausführlicher berichtet.
Am 12. Oktober feierte der Freundeskreis Dinkelsbühl-Schäßburg das 10-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft in Dinkelsbühl. Stpfr. Fröhlich hielt die Festrede dazu, und stellte sie unter das Thema:
„Kontraste, Kulturen, Konfessionen“.
Am 12. und 26. November fanden die Kirchlichen Wahlen statt, wobei die Hälfte der Gemeindevertretung und des Presbyteriums, sowie der Kurator gewählt wurden. Die bisherigen Amtsträger des Presbyteriums wurden im Amt bestätigt.
In der von Kirche und Forum gestalteten Adventfeier vom 9. Dezember wurde des 200. Geburtstags von Georg Daniel Teutsch (12.12.1817) gedacht. Stpfr. Fröhlich hielt einen Vortrag und würdigte diesen großen Schäßburger.
Das Jahr 2017 schloss mit der Gedenkfeier für die Opfer der im Dezember 1989 erschossenen jungen Männer  an der Schaser Straße, wo Vertreter von Kirche und Forum der Toten gedachten und einen Kranz niederlegten. In der orthodoxen Kirche („Catedrală“) fand anschließend eine Totenmesse („Parastas“) statt, bei der Vertreter von: Rathaus, Polizei, Jandarmerie, Armee und Feuerwehr sowie der Verein der an der Revolution Beteiligten teilnahmen.


„WIR WERDEN GEORDNET KLEINER“
Gemeindeberatung der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. Schäßburg
von Gabriela Oşan, Carmen Foaltin und Hans Bruno Fröhlich
Sowohl für den Menschen als Individuum als auch für Institutionen oder Firmen ist es mittlerweile gängige Praxis geworden, in ganz unterschiedlichen Bereichen professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Es gibt mittlerweile einen fast unübersichtlichen Markt mit Angeboten auf diesem Gebiet: Arbeitsmarkt- und Berufsberatung, Partnerschafts- und Eheberatung, Energieberatung, Ernährungsberatung, Rechtsberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Steuerberatung und vieles andere mehr. In unserer Zeit der Globalisierung und Vernetzung ist es – vor allem im wirtschaftlichen Bereich – gar nicht mehr möglich, auf lange Sicht zu überleben, ohne in regelmäßigen Abständen ein sogenanntes Audit, das häufig im Rahmen eines Qualitätsmanagements erfolgt, durchzuführen bzw. von einem externen Auditor durchführen zu lassen.
Zwischenzeitlich ist auch in vielen Kirchen diese Notwendigkeit erkannt worden. Kirchengemeinden oder ganze Landeskirchen lassen sich von spezialisierten Firmen beraten. Manche Kirchen haben sogar eigene Institutionen dafür geschaffen, so auch die Bremische Evangelische Kirche, mit der wir partnerschaftlich verbunden sind. Den Dienst dieser „Arbeitsstelle für Supervision und Gemeindeberatung der Bremischen Evangelischen Kirche“ durften wir im vergangenen Jahr in Anspruch nehmen. Mit „wir“ sind die Verantwortungsträger unserer Gemeinde gemeint, u. zw. ein Teil unseres Presbyteriums (Dieter Zikeli, Günther Müller, Edith Barbu, Gabriela Oşan,  Carmen Foaltin) und die leitenden Angestellten (Dietlinde Cravciuc, Erika Duma, Dieter König) sowie Stpfr. Bruno Fröhlich. Selbstverständlich ist im erweiterten Sinne mit „wir“ die ganze Schäßburger Kirchengemeinde gemeint. Zwischen dem 24. und 27. August 2017 fand diese Beratung statt und wurde von Frau Wiebke Davids  von der oben genannten Arbeitsstelle für Supervision und Gemeindeberatung durchgeführt; das Ganze geschah in Kooperation mit Pastor Manfred Meyer vom Diakonischen Werk Bremen.
Zunächst wurde die aktuelle Situation erfasst: die Evangelische Kirchengemeinde hat einerseits ein wertvolles materielles und immaterielles Patrimonium (Kirchen, Friedhöfe, Wald, 850-jährige Kultur); ein Teil des immobilen Patrimoniums gehört sogar zum Weltkulturerbe. Das bedeutet in erster Linie eine enorme Verantwortung für Gemeinde  und  Gemeindeleitung,  da  die  Verwaltung  materiell  und  personell  sehr  aufwendig  ist.  Neben  den
„klassischen“ Aufgaben einer Kirchengemeinde (Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung, Kirchenmusik und Konfirmandenunterricht) betreibt die Kirchengemeinde eine eigene Diakoniestation und beschäftigt sich mit Kirchentourismus. Einnahmen müssen erwirtschaftet werden, um die Ausgaben zu decken. Die Gemeinde hat knapp unter 500 Seelen, von denen einige im Ausland leben; etliche sind über 60 Jahre alt. Zu den Gottesdiensten kommen 30 – 50 Personen; pro Jahr werden 3 – 4 Jugendliche konfirmiert. Jährlich verliert die Gemeinde 5 – 10 Mitglieder durch natürlichen Abgang (Tod); diese Zahl wird durch die Taufen (von denen es 0 – 3 pro Jahr gibt) nicht aufgefangen. Die Kirchengemeinde hat 19 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Verwaltung, Sekretariat, Buchhaltung, Kranken- und Altenpflege, Kantor, Touristenführer, Friedhofswärter, Reinigungspersonal. Dazu kommen die Ehrenamtlichen aus der Gemeinde: Gemeindevertretung, Presbyterium, Kirchenchor. Der schrumpfenden Gemeindegliederzahl stehen vielfältige Aufgabengebiete gegenüber. So übernehmen immer weniger Menschen immer mehr Aufgaben und füllen die Lücken.
Daher waren die Beratungsziele und Beratungsthemen folgende:
-	Wie kann und soll die Zukunft unserer Gemeinde gestaltet werden?
-	Welchen Weg will die Gemeinde einschlagen?
-	Welche grundsätzliche Ausrichtung soll dieser Weg haben?
-	Wie denken wir als leitendes Gremium darüber?
-	In welche Richtung wollen wir uns gemeinsam entwickeln?
-	Worauf wollen wir uns konzentrieren?
Am ersten Tag, nach der Begrüßung und Vorstellung, wurde die gegenwärti über die Stärken, Schwächen, Hindernisse und Chancen gesprochen und Zukunft bemerkenswerte Etappen der letzten fünf Jahre festgehalten wie die Partnersch Bremen, Rückerstattung des Gemeindewaldes, 20 Jahre Pflegenest, Instan Pflegenestes, Instandhaltungsarbeiten an der Bergkirche (Klosterkirche soll fol andern	Immobilien,	kulturelle	Highlights	wie	Einrichten eines Gem Russlanddeportation, Albrecht-Dürer-Ausstellung usw.
Am zweiten Tag wurde die gegenwärtige Situation bewertet. Es wurde Schwächen der Gemeinde gemacht mit Blick nach innen und Blick nach außen.
Folgende Stärken mit Blick nach	innen wurden festgehalten:
-	gute Kommunikation und gute Stimmung miteinander;
-	Pläne werden umgesetzt;
-	wir können gut organisieren;
-	wir sind eine ökumenische Integrationskraft in Schäßburg, bzw. haben eine Bindeglied-Funktion;
-	wir haben Kraft und Ausdauer;
-	wir haben gute Auslandkontakte (Bremen, HOG …). Es wurden folgende Schwächen benannt:
-	der Nachwuchs fehlt;
-	die Mitarbeiter fehlen;
-	Zeitmangel für große Aufgabenbereiche;
-	es gibt zu wenig Ehrenamtliche;
-	die Jugendlichen sind nicht vor Ort.
Am zweiten Tag wurde auch eine Bewertung der gegenwärtigen Situation vorgenommen bzw. eine Analyse der Hindernisse und Chancen der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung mit Bick nach außen:
-	Als Hindernisse in der gesellschaftlichen Entwicklung legten wir die Arbeitsmigration fest, sowie die weniger engagierten Ehrenamtlichen. Die politische Entwicklung – sowohl lokal als auch auf Landesebene
– ist wechselhaft, nicht vorhersehbar, es gibt hohe Steuern, durch den Beitritt zur EU neue Gesetze, die Wirtschaft baut ab.
-	Als Chancen sehen wir den Tourismus, die Partnerschaften, die Eigenständigkeit der Gemeinde, die Zusammenarbeit mit andern Konfessionen.
Am letzten Tag wurden Zukunftsszenarien entwickelt und Ziele, die wir als Gemeinde festgelegt haben. Die wichtigsten Ziele waren für uns dabei folgende: wahrgenommen werden als evangelische Kirche, Tradition bewahren, Menschen als Gemeindeglieder gewinnen, mehr Kirchgänger gewinnen, mit Kräften haushalten, ökumenische Zusammenarbeit ausbauen, Strukturen überprüfen und es soll mindesten so bleiben wie es ist.






 
Es wurden fünf Szenarien bearbeitet, von denen wir uns als erstes für „Wir werden geordnet kleiner“ entschieden haben; darin wird der Rückgang der Gemeindegliederzahl Rechnung getragen. Angesichts dessen, dass die Instandhaltung des Patrimoniums uns auf lange Sicht hohe Kosten bescheren wird, entschieden wir uns als zweites für „Wir setzen auf andere Geldquellen“; dies wird uns noch für lange Zeit eine Herausforderung bleiben.
Um diesen Weg weiter zu verfolgen und zu entwickeln bildeten wir zwei Arbeitsgruppen. Die Ergebnisse flossen in den Maßnamenplan, den wir weiter im Auge behalten werden und gegebenenfalls in nächsten Ausgaben des Gemeindebriefes darauf zurückkommen werden. Um unseren Kurator zu zitieren: „Wir bleiben am Ball.“ Und schließlich wollen wir Frau Wiebke Davids und Herrn Manfred Meyer ganz herzlich danken.

A FOST ODATĂ ĬN SIGHIŞOARA
de prof. Albert Gierling – Galați
Platon: „Cine are memorie, are și viață.”
In memoria tatălui meu Gierling Albert, maistru- țesător, creator de modele la fabrica de mătase din Sighișoara.

Urmărind știrile acestor zile, ne izbește puternica contradicție între starea jalnică a drumurilor și a căilor ferate și averile fabuloase strânse de „drumarii” post-revoluționari (vezi afacerea Bechtel și nu numai). Acest lucru mi-a amintit de articolul „Între tradițional și modern” din revista Dvs. (n. r. Gemeindebrief) nr. 24/2013 scris de dr. N. Teșculă, care descrie drumurile și începuturile căilor ferate din anii 70 ai sec. XIX din aria geografică Sighișoara. Astfel s-au declanșat cascade de amintiri si trăiri (am 81 ani) care, cu voia domnului doctor, pot continua firul relatărilor din acel articol.
Așadar, din momentul trecerii de la monopolul de stat (1846) la domeniul privat (1854) s-a declanșat un imens import de capital și extinderea explozivă a construcțiilor de căi ferate și drumuri, în urma cărora orașul Sighișoara a fost racordat la marile tronsoane: Arad, Teiuș, apoi Oradea, Cluj-Napoca, Brașov, Predeal. Dar pe lângă aceste tronsoane de interes național, în zonă s-au dezvoltat și rețele de căi ferate secundare, trei dintre acestea de o mare importanță economică: Sighișoara – Odorhei, Sighișoara
–	Teiuș, și tronsonul de cale ferată cu ecartament îngust Sighișoara – Agnita – Sibiu, legendarul „Zugu”. Acesta străbătea “țanțoș” centrul orașului după ce traversa Târnava pe lângă podul de lemn „Maria Teresia” (păcat de pierderea lui), lua în piept panta din fața magazinului “Misselbacher” și ieșea din oraș pe ulițele văii Șaeșului, străbătea bogatele sate Șaeș, Apold, Brădeni și prin Agnita ajungea victorios la Sibiu. La serpentinele dintre Apold și Brădeni pasagerii coborau din tren și după o plimbare “câmpenească”, cu un buchet de flori în mână, așteptau sus ca “Zugu” să învingă urcușul buclucaș. Extinderea acestor rețele de căi ferate și drumuri nu putea să ducă decât la o dezvoltare economică, financiară, culturală și științifică extraordinară a zonei. Mi-am amintit nu numai de brutarul Zielinski, care a consemnat ca un harnic și responsabil cronicar evenimentele acelor timpuri, dar și de faptul că în anii copilăriei cumpăram pâine de la brutăria lor, a lui Hubatsch sau Kamili, carne de la Winter, Wonnert sau Jobi, ne reparam încălțările la Wagner sau Breihofer etc. Aceste amintiri m-au determinat să răsfoiesc din nou „Cronika” ținută și de tatăl meu, despre evenimentele urbei. Și iată ce am găsit: în anii de sfârșit al sec. XIX, începutul sec. XX și perioada interbelică în Sighișoara funcționau peste 280 de unități economice, financiare, culturale, medicale și științifice. […]
Pare aproape incredibil că acum 100 de ani, la Sighișoara existau peste 280 de astfel de unități, și lista se poate încă completa, mai ales cu bogatele gospodării țărănești ale zonei, toate acestea aducând o bunăstare materială și spirituală de neatins în zilele începutului de sec. XXI. Această efervescență economico-socială a influențat profund și viața spirituală și științifică a timpului și poate nu întâmplător au apărut și mugurii celei mai mărețe realizări științifice a sec. XX – zborul pe lună. Pe caietul de fizică al tatălui meu, profesor fiindu-i viitorul savant Hermann Oberth, am găsit următoarea cugetare a savantului (era în 1926): „Doch will ich dafür mich verbürgen, bald gibt es am Mond ein Siebenbürgen”.
Toate acestea au fost însă distruse în mod samavolnic în anii regimului comunist prin așa-zisa Reformă agrară și Naționalizare a întreprinderilor și mulți oameni cinstiți și harnici (chiaburi!) băgați în pușcării sau deportați. Ca umilință l-aș parafraza pe Platon: Cine nu are memorie, nu are viață!
Fără comentarii! Sau dimpotrivă!
 





 
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