Evangelische Kirchengemeinde A.B. Schäßburg
Gottesdienst am Reformation – 31. Oktober 2020, 

Reforma Protestantă, 31 octombrie 2020 serviciu divin

2020. oktober 31-an, Reformácio, Istentisztelet


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Wochenspruch – 1. Korinther 3,11:
Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Psalm 46, 2 - 8
2. Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, / eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. 3. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge / und die Berge mitten ins Meer sänken, 4. wenngleich das Meer wütete und wallte / und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. 5. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben / mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. 6. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; / Gott hilft ihr früh am Morgen. 7. Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen, / das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt. 8. Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Matthäus 10,26b - 33   
26b. Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. 27. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern. 28. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.  				Der Herr segne sein Wort an unsern Herzen!

Liebe Brüder und Schwestern!
„Religion ist Privatsache.“ Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser Satz von der der frühen Sozialdemokratie Deutschlands geprägt. Mancher von uns – im Kommunismus groß Gewordenen – erinnert sich vielleicht noch an die marxistische Parteitheorie, die besagte, dass Religion ein Herrschaftsinstrument sei. Dass der Kommunismus selber dann ein noch viel Schlimmeres Herrschaftsinstrument wurde, wissen wir nur zu gut. Fakt ist aber, dass mit der Aufklärung beginnend Schritt für Schritt der Mensch die große Freiheit erworben hat, selber zu entscheiden, was er glauben soll. Diese Freiheit ist ein wertvolles Gut, wenn man bedenkt, dass es bis heute nicht wenige Länder bzw. politische Systeme gibt, wo dieses Gut ein ferner Traum ist. Auch die christliche Kirche des Abendlandes vergangener Jahrhunderte war eine Machtinstitution, und was für eine. Wenn jemand der offiziellen Lehre dieser Kirche zu widersprechen wagte, dann bekam er die volle Härte dieser Machtinstitution zu spüren: erinnern wir uns nur daran, dass Martin Luther – nachdem er auf dem Reichstag zu Worms vor 499 ½ Jahren sich geweigert hatte seine Lehre zu widerrufen – knapp mit dem Leben davonkam und Freunde eine Entführung vortäuschten und ihn versteckten, damit ihm nichts schlimmeres zustoßen sollte.
Ist Religion Privatsache? „Religion ist keine Privatsache.“ Diese Aussage würde man von einem Kleriker erwarten. Sie stammt aber – man höre und staune – von einem sozialdemokratischen Politiker, der im Jahr 2000 unter diesem Titel ein Buch heraus gegeben hat: Wolfgang Thierse damals Präsident des Deutschen Bundestages und bekennender Katholik. Es ist bemerkenswert, dass in diesem Buch prominente Politiker und Wissenschaftler Stellung dagegen beziehen, dass Kirche sich aus dem öffentlichen Raum zurückzieht. Die Frage welche Rolle Kirche und Religion in der heutigen Gesellschaft spielen sollten, kann in diesem Rahmen nur als Anregung zum weiteren Nachdenken gestellt werden. Eines sollte aber nicht zur Disposition stehen, nämlich der respektvolle Umgang miteinander. Dafür liefert der aktuelle Karikaturenstreit zwischen Frankreich und mehreren muslimisch geprägten Ländern die Negativfolie. Freiheit, die Gefühle (auch und vor allem religiöse Gefühle) anderer Menschen grob verletzt, ist keine wahre Freiheit mehr. Meine Freiheit hört dort auf, wo ich meinen Mitmenschen mit Füßen trete: körperlich, wie seelisch.
Der Mensch von heute ist nicht weniger religiös, als er es vorzeiten war; allerdings sind die Wege, um den Glauben zu leben oder um religiöse Bedürfnisse zu befriedigen unterschiedlich. Es ist nicht zuletzt eine Errungenschaft der Reformation, dass Kirche als Institution heute – im Gegensatz zum Mittelalter – nicht mehr „vorgeben“ kann was zu glauben ist. Sehr wohl darf, ja soll sie dazu einladen. Was wir der Reformation zu verdanken haben, kann, kurz gefasst, auch so ausgedrückt werden: einerseits ist der Mensch darauf hingewiesen worden, dass er verantwortlich für sein Handeln UND für seinen Glauben ist; andererseits aber nicht aus eigenem Verdienst vor Gott gerade steht, sondern Kraft der Erlösungstat Jesu Christi. Gerade weil wir alles wichtige und wesentliche für unser Leben von Gott bekommen haben, sind wir gerufen, dankbar Gottes unaussprechliche Gabe weiter zu geben. 
Wer den liebenden Gott kennen gelernt hat, kann gar nicht anders, als diesen Gott zu bekennen. Dies ist das wahrhaft befreiende an der reformatorischen Botschaft. Wenn uns die Reformation etwas Großes, Wichtiges und Wertvolles gebracht hat, dann die Tatsache, dass wir keine Angst haben müssen. Nicht vor Menschen, die uns Böses antun können und nicht einmal vor dem Tod, weil uns danach die ewige Herrlichkeit und nicht die Verdammnis erwartet. Darum können und darum sollen wir dieses Fest feiern. Nicht in Abgrenzung zu anderen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften, sondern voller Freude, dass Gott uns die Wahrheit erkennen ließ, die wirklich frei macht.

Lasst uns beten:
Allmächtiger Gott, wir DANKEN Dir, dass Du uns die Wahrheit geschenkt hast, die wirklich frei macht. Gib uns Mut und Freude, diese Wahrheit vor der Welt zu bezeugen. Schenke uns Ehrfurcht vor allen Menschen: auch vor denen, die anders sind und glauben als wir. Hilf uns, dass wir – dann, wenn es nötig ist – die rechten Worte finden und die helfende Tat, denen die ihrer bedürftig sind, nicht vorenthalten.
Wir bitten Dich in diesen Zeiten der Not um Deinen Segen und Beistand. Gib den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft gute Gedanken und Arbeitskraft, damit sie ihr Amt Dir zum Wohlgefallen und der Welt zum Segen ausführen können.
Wir bitten Dich für Deine Kirche hier vor Ort und weltweit. Gib ihren amtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden Kraft und Phantasie für ihren Dienst und zeige auch uns wo wir in deinem Namen etwas tun können.
Wir bitten Dich für die Armen und Alten, die Kranken und Notleidenden, die Verfolgten und Entrechteten. Erbarme Dich ihrer und lass sie Menschen finden, die sie aus der Not führen.
Vater unser im Himmel …

Segen: 
Es segne und behüte uns der allmächtige und gnädige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.



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